Das SMX im Tiefschnee-Härtetest
Das erste SMX Bike wurde 2003 von der norwegischen Firma North Legion erfunden, um Mountainbikern und BMX-Fahrern zu ermöglichen, ihren Sport auch im Schnee auszuüben. Jetzt gibt es auch eine Tiefschnee SMX-Variante. Erik Thorvik berichtet von den ersten Tests.
Der Monat Mai wird meistens mit grünen Wiesen, blühenden Bäumen, Blumen und – da wo ich herkomme – leider auch mit dem Geruch frisch gedüngter Felder assoziiert. Dieses Jahr verbrachte ich jedoch eine Woche im Tiefschnee. Ich wurde nach Røldal eingeladen, um den ersten Test des North Legion SMX mit neuen Fat Skis zu begleiten.
Die Test-Location, Røldal (Rurldal ausgesprochen), ist ein kleines entlegenes Dorf an der Westküste Norwegens. In Røldal bekommt man vom Frühling bis Mitte Juni nichts mit. Erst in den Sommermonaten gewinnt die Sonne die Oberhand und bringt die Schneemassen zum Schmelzen. Røldal beherbergt auch ein Skigebiet mit dem gleichem Namen. Passionierte Skifahrer oder Snowboarder werden den Ort von der Website skiinfo.com kennen, denn dort stand Røldal in den vergangen Wintern ganz oben auf der Hitliste der schneereichsten Skiorte.
Das Ziel unserer Mission war es, die Tiefschnee-Eigenschaften des North Legion SMX zu testen, dieser genialen Erfindung, die einem eine wahrhafte Mountainbike-Erfahrung im Schnee ermöglicht. Das SMX hat auf gut präparierten Pisten und in Snow Funparks bereits überzeugen können und alle in das Produkt gesetzten Erwartungen übertroffen. Aber North Legion wollte die Nachfrage seiner Teammitglieder befriedigen, die sich das SMX als ‚Powder Beast’ wünschten, mit dem sie sich abseits der Pisten im Tiefschnee bewegen können, um große Drops zu springen oder was man sich sonst noch so einfallen lässt, wenn der Wettergott die heimischen Berge großzügig mit frischem Pulverschnee bestäubt hat.
Diesmal hatten wir also einen kleinen Stapel Fat Skis dabei, direkt vom Hersteller eingeflogen, und eine Horde von Extremsporthaudegen, allesamt in der Lage das SMX dem ultimativen Härtetest zu unterziehen. Allen voran der Norweger Mads Andrè Haugen, einer der Pioniere des SMX Sports, ein Junge vom Land der so viel Energie hat, als würde er von tausend Duracell Batterien angetrieben. Mads Andrè ist ein talentierter Freeride Mountainbiker und seine fetten Superman Seatgrabs, gehören zu den besten, die ich je gesehen habe.
Cato Lægreid zählt mit 25 Jahren schon zu den älteren Semestern im SMX Team. Er ist ein legendärer Freeskier, der unglaubliche Stunts von gewaltigen Drops abziehen kann. Niki Leitner, ein Freeride MTB Star aus Österreich und ebenfalls einer der ersten SMXer überhaupt, wurde extra aus Wien eingeflogen. Ich würde nicht sagen, dass er wie Arnold Schwarzenegger aussieht, aber er hört sich genauso an – wobei Niki im Gegensatz zum Terminator sehr eloquent ist. Der französische SMX Virtuose Nicolas Pillin kam eigens aus Frankreich, um uns Norwegern zu zeigen, wie man während der Abfahrt nebenbei noch lässig Mädels aufreißen kann und wie man einen Tailwhip über einen 6-Meter-Roadgap springt. SMX Rookie Anders Skarpeid komplettierte die Gruppe, um seine Erfahrungen als MTB Downhiller und Freeskier beim Test der neuen Powder Ausrüstung einzubringen.
Das North Legion Team, eine Film Crew und ein Fotograf sorgten dafür, dass die Fahrer keine Sekunde zur Ruhe kamen. Es gesellten sich noch zwei hübsche norwegische Models zu uns (Danke Julia und Linn), die Wintermode für einen britischen Bekleidungshersteller fotografierten. Dass sich die Rider mehr für die Mädels als für uns interessierten, ist eh klar.
Røldal ist nicht gerade der Ort, den man aufsucht, um braun zu werden. Es ist ein richtiges Schneeloch, doch im April oder Mai kann man Glück haben, und Røldal versprüht seinen Charme. Genau das passierte dieses Jahr in der zweiten Maiwoche – wir hatten ein perfektes Skigebiet mit meterhohem Schnee und strahlendblauem Himmel ganz für uns während überall sonst in Europa die Leute ihren Rasen mähten und Hecken schnitten.
Für den ersten Tag hatten wir uns vorgenommen, ein paar riesige Kicker zu bauen, doch die Pistenraupe, die man uns versprochen hatte, war in eine Schneespalte gerutscht und nicht mehr zu gebrauchen. Unser Lokalmatador Cato, musste auch dringend noch etwas erledigen und so saßen wir etwas verloren auf der Piste, mit einer Handvoll Touristen und der norwegischen Ski Nationalmannschaft.
Auch wenn der erste Tag etwas enttäuschend verlief, so erfüllte der zweite unsere Erwartungen über alle Maßen. Wir wurden mit Snowmobil-Taxis in ein Tal gebracht, das den Schnee wie ein Schwamm anzieht, wenn der Nordwestwind ihn von den Bergen weht. Hier hatten sich die Schneemassen zu den unterschiedlichsten Formen aufgetürmt, die alle eins gemein hatten – sie waren die perfekten Backcountry Kicker!
Die Fahrer zeigten uns unglaubliche Moves mit viel Air Time und fingen gleich an, ihr Trick Repertoire auszubauen. Mads Andrè zeigte fette Supermans, bei denen er aussah, als würde er den Himmel kratzen und legte auch ein paar stilvolle Backflips hin. Niki Leitner erinnert mich an den Milchmann, denn er liefert immer. So war es auch bei dieser Session. Niki beeindruckte uns mit gewaltigen Backflips und Supermans und krönte seine Show mit ein paar fetten Backflip No-Handern.
Am meisten beeindruckte mich aber Anders, der Rookie aus Stavanger. Er sagte über sich selbst, er sei ein Downhiller und könne keine großartigen Tricks. Mit dem SMX legte er dann gleich einen Backflip hin und wir waren alle aus dem Häuschen. Dann schob er das SMX wieder den Berg hinauf, fuhr mit Höchstgeschwindigkeit und perfekter Kurvenlage den Hang hinunter und beendete seinen Lauf mit einem gewaltigen Backflip, den er perfekt landete. Danach war er wie in Trance und versuchte alles herauszuholen, was in ihm steckte. Er probierte einen Flair und nach zehn Versuchen landete er ihn ebenfalls perfekt, lief wieder nach oben und wiederholte das Ganze. Das inspirierte wiederum Niki ebenfalls einen Flair zu probieren. Es war sein allererster Versuch überhaupt und er stand ihn auf Anhieb. Und um das Ganze zu untermauern, setzte er gleich noch einen zweiten perfekten Flair obendrauf.
Die Jungs wollten gar nicht mehr aufhören. Als nächstes landete Anders einen Sideflip und schaffte sogar beinahe eine Barrelroll. Nicolas, der französische König der Tailwhips, hatte sich leider am Bein verletzt und musste zusehen, wie seine Buddies vor lauter Adrenalinstößen am Ausflippen waren. Er konnte nur auf eine wundersame Heilung über Nacht hoffen.
Nach einer solch unglaublichen Session sollte man meinen, jeder sei zufrieden, aber dies war weder der Ort noch die Zeit für Entspannung oder normales menschliches Verhalten! Nach einem schnellen Abendessen fuhren wir auf die andere Seite des Berges, um einen möglichen Drop genauer unter die Lupe zu nehmen, den wir am Tag zuvor entdeckt hatten. Das Ganze sah etwas grenzwertig aus, denn die Landung war viel zu flach und man benötigte sehr viel Geschwindigkeit, um einen Trick zu machen, bevor man in die Landung prallte. Aber die Jungs wollten es unbedingt versuchen und nach ein paar Anläufen entschloss sich Anders einen 6-Meter Flip Drop zu springen, an seinem zweiten Tag auf dem SMX! In der ersten Hälfte der Rotation sah er noch gut aus, doch dann wurde er zu langsam und landete mit mustergültigen Face Plant. Dabei beließen wir es dann auch, fuhren zurück in unsere Hütten. Dort ließen wir den Tag bei einem wohl verdienten Bier ausklingen.
Im Verlauf der Woche boten die Jungs noch mehr Action. Cato kam zurück und schenkte uns Bilder seines gewaltigen 360er... nun ja, er landete sie nicht alle. Nicolas Bein tat nicht mehr so weh und er präsentierte uns Superman Tailwhips vom Feinsten. Natürlich testeten wir auch die neuen Ski in steilen Passagen, die normalerweise nur Feeskiern oder Snowboardern zugänglich sind. Die neuen Fat Skis machen SMX fahren im Tiefschnee ziemlich einfach, sobald man sich an die Technik gewöhnt hat. Vor allem aber macht es einen Heidenspaß! Ich bin fest davon überzeugt, dass wir diesen Winter eine Menge SMX Action im Tiefschnee zu sehen bekommen. Versucht euch vorzustellen, wie jemand einen Superman Seatgrab von einem zehn Meter hohen Drop in meterhohen Pulverschnee springt und ich sage euch, das ist die Zukunft.
Für die letzte Session unserer Mission fuhren wir zu einem Road Gap, den wir am Abend zuvor gebaut hatten. Obwohl das Wetter über Nacht schlecht geworden war, wollten Niki und Nicolas ihn unbedingt springen, denn sie hatten zu viel Zeit in den Bau investiert, um ihn jetzt links liegen zu lassen. Nicolas sprang seinen Signature Tailwhip, den er auch perfekt landete und Niki folgte ihm mit einem gewaltigen Backflip. Ein würdiges Finale, das von Niki mit den Worten “that’s SMX shit!” kommentiert wurde.
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