Mit dem Einrad unterwegs in der Schweiz und im Schwarzwald
Für FUNSPORTING berichtete Florian Kaiser von einem Roadtrip durch den Schwarzwald und die südliche Schweiz. Im Gepäck hatte er stets sein Einrad, mit dem er und seine Crew schwierige Downhill-Strecken bewältigten.
Nach einer langen Fahrt kommen wir endlich in der Nähe von Freiburg an. Wir gehen gemeinsam in einem feinen Lokal Essen und verschwinden anschließend in den Kojen, denn am nächsten Tag steht der Kandel im Schwarzwald auf dem Programm.
Morgens fühl ich mich irgendwie gerädert. „Kein Wunder“, meint Jogi, „immerhin hast du eine halbe Woche Wettkampf hinter dir.“ Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es los. Wir fahren zum Treffpunkt, einem kleinen Örtchen am Fuße des Kandels und treffen dort auf Sebastian, einen Ortskundigen. Vom Gipfel aus haben wir eine wunderbare Aussicht mit einem atemberaubenden Panoramablick mit einer Sicht von maximal fünf Metern!
Oben hält uns nichts mehr auf und wir beginnen den Weg abwärts. Anfangs ist es etwas mühsam und fahrtechnisch sehr anspruchsvoll. Nach einigen Höhenmetern wird der Trail dann doch recht flowig, genau richtig, um sich ein bisschen zu erholen. Unten angekommen sind wir alle etwas im Eimer, da die Tour doch sehr hart war.
Am nächsten Morgen steht wieder Reisen auf dem Programm. Unser Ziel ist der südlichste Zipfel der Schweiz. Am frühen Abend kommen wir bei Sandy, einem weiteren Munifahrer der Munisippschaft an. Zur Erklärung des Begriffs Muni: Das "M" steht für Mountainbike, der Rest unicycel. Beschreibt man Sandy kurz, dann hat er starke Ähnlichkeit mit Jesus auf einem Fahrrad.
Das Wetter ist spätsommerlich warm, ein Klimaschock jedoch für uns Kölner, denn unserer Meinung nach war es doch zimperlich kalt.
Heute steht Sandys Hausberg auf dem Programm, der Monte Generosso. Wir lassen uns mit der Zahnrad-Bahn nach oben fahren, wo die Berghänge mit dichten Wolken verhangen sind. Schon wieder ein Panorama der Superlative, die letzten Meter bis ganz nach oben auf den Gipfel sparen wir uns jedoch. Nichts hält uns hier auf - nicht einmal die vielen Touristen. Oben geht es gleich mal mit nassen, rutschigen Naturstufen zur Sache, zum Warmfahren genau das Richtige. Es ist schon mystisch, die anderen zu beobachten wie sie plötzlich aus dem Nebel auftauchen und wieder verschwinden.
Nach einem recht flowigen Anfangstück und einem technisch anspruchsvollen Wurzelfeld, rasten wir das erste Mal auf der ersten Mittelstation Belavist. Dort genießen wir die wunderschöne Aussicht auf das Matterhorn.
Der Pfad wechselt von gediegen bis anspruchsvoll über alte Römerpassstraßen. Weiter geht es von dort durch Kastanien-Wälder. Am Ende wird der Trail dann noch richtig anspruchsvoll und führt durch von Bikern errichteten Stuff, die den Fahrspaß aufwerten. Ganz am Schluss spuckt uns der Trail auf der Römerstraße aus und wir kurbeln gemütlich über die holprigen Pflastersteine durch schmale Gassen zurück nach Chiaso.
Am Ende des Tages bleibt mir nur zu sagen: „Ich hab das Gefühl, dass der Herrgott den Berg nur erschaffen hat, damit sein Sohn und seine Jünger auf ihm mit dem Einrad runterrocken können.“ Einfach die perfekte Mischung aus Flow und Technik.
Am nächsten Tag ist unser Ziel das Breithorn bei Zermatt. Gegen Einbruch der Dunkelheit ist es dann auch so weit. Wir lassen das Auto in einer Parkgarage in einem Ort vor Zermatt zurück und nehmen die Bahn, denn Autos sind in dem letzten Ort des Tales verboten. Es beginnt ein hektisches Packen. Was nehmen wir mit? Was lassen wir zurück? In der Tiefgarage gleicht das Ganze einem ostindischen Basar. Die ganze Ausrüstung ist über zwei Parkplätze verstreut.
In Zermatt angekommen, finden wir dann auch schnell eine Unterkunft. Noch kurz etwas Nahrung zu uns nehmen und dann ab ins Schlafgemach, denn morgen steht ein langer und anstrengender Tag bevor.
Früh vor den ersten Sonnenstahlen heißt es raus aus den Federn, duschen, anziehen und ein kurzer Blick auf den Balkon, um die Wetterlage zu checken. Nun ab zum Frühstück, Einräder schnappen und auf zum Lift. Um Energie zu sparen, fahren wir mit der Gondel bis zum Gletscher-Paradies und von dort steigen wir noch die letzten 400 Höhenmeter aufs Breithorn hinauf.
Am Lift beim Schalter der erst Schock: Die Kartenverkäuferin klärt uns darüber auf, dass Fahrräder auf der Piste verboten sind. Ich wusste nicht, weshalb sie so einen Aufstand machte, denn ich hatte weit und breit keine Fahrräder gesehen. Weit und breit nicht, zumal wir sowieso nicht auf der Piste fahren wollten.
Wir kaufen uns dann auf eine andere Weise die Tickets, kommen jedoch nicht weit. Bei der zweiten Zwischenstation werden wir rausgeschmissen. Weitere Diskussionen sind sinnlos, also geben wir uns damit ab, dass wir mit „Fahrrädern“ unterwegs sind. Nach einer Lagebesprechung beschließen wir, die Einräder zu packen und so hoch wie möglich aufzusteigen. Gesagt, getan. Wir stapfen Schritt für Schritt, Höhenmeter für Höhenmeter hinauf in Richtung Gipfel.
Nach circa 600 Höhenmetern, als wir das Plateau Rosa erreichen, pausieren wir und beschließen von hier aus die Abfahrt zu starten. Vor der Abfahrt noch schnell ein Beweisfoto von 3.500 Metern über Null. Wir nehmen den bequemen Weg über die Skipiste. Denn jetzt lassen wir uns nichts mehr verbieten.
Anfangs sind nur wenige auf den Brettern talabwärts unterwegs. Nach einer kurzen Zeit jedoch sind wir umschlossen von Snowboardern und Skifahrern.
Am Trogner Steg, dort wo Eis und Schnee in Geröll und Matsch übergeht, machen wir uns auf den Weg zum Schwarzsee-Paradies. Der Weg erweist sich als anstrengend und schwer. Oft ist es unmöglich zu fahren oder es ist zu anstrengend, denn der Reifen sinkt immer wieder in den schlammigen Boden ein. Also schieben wir die meiste Zeit unsere Einräder und fahren vereinzelte Strecken.
Es ist Nachmittag und meine Energie schwindet mit jedem Meter. Die nötige Konzentration ist dahin, um anständig zu fahren. Die Stürze häufen sich und die Strecken, auf denen wir das Rad schieben, werden immer länger. Bei einem Versuch, einen schönen Fahrbahnabschnitt zu fahren, stürze ich unmittelbar nach dem Aufstieg. Meine Gefährten raten auch, weiterhin zu schieben, denn die Gefahr zu stürzen ist bei dem Energie- und Konzentrationsmangel viel zu hoch.
Es geht Schritt für Schritt weiter. Ich stolpere des öfteren und jeder Schritt schmerzt unheimlich. Endlich ist das "Schwarz-Seh-Paradies" in Sichtweite. Ab hier ist das Gelände nur noch abschüssig. Direkt am Fuße des Matterhorns, bevor ich aufsteige, genieße ich noch einmal die Nähe zum Gipfel, den ich sonst nur aus den Medien kannte. Die Fahrt geht über ein weites Geröllfeld abwärts. Anschließend noch einen Trampelpfad und ist das Schwarzsee-Paradies endlich erreicht.
Ziemlich zügig geht es dann mit neuer Energie weiter talabwärts. Der Rest des Weges entpuppt sich als wunderbarer Single-Trail. Es spült mich einfach runter, die Schmerzen sind komplett vergessen. Wieder zurück an der Unterkunft, lassen wir den Abend gemütlich ausklingen. Schade, dass es morgen wieder nach Hause nach München geht.
Mehr über den Autor Florian Kaiser erfahrt Ihr auf seinem Profil in unserer Community! Dort findet Ihr auch weitere Bilder.
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