Reisebericht:
Windsurfen in Dahab

Frust beim Blick aus dem Fenster? Wir empfehlen eine heiße Tasse Kaffee und Entspannung beim Lesen des Reiseberichtes von Tom & Yoli de Brendt über einen Windsurftrip nach Dahab (Ägypten) im Oktober 2006.

Ich erinnere mich noch an die Nachricht von Bombenattentaten in Dahab im April dieses Jahres, aber mein Verlangen, die arabische Welt näher kennen zu lernen, war größer als alle Bedenken die mir hin und wieder durch den Kopf gingen.

Bereits als Kind lernte ich teile der orientalischen Kultur näher kennen, wenn ich mit meiner Familie zum arabischen Essen in der Nachbarschaft auf meiner Heimatinsel Margarita eingeladen wurde. Aber erst durch das Windsurfen wurde mir die Gelegenheit gegeben, die Welt und somit auch den arabischen Teil zu entdecken, auch wenn ich auf letzteren längere Zeit warten musste und nach den Anschlägen war es lange ungewiss.

Im Oktober 2006 lud uns aber das neu gestaltete Planet Windsurf Center in Dahab zum Eröffnungsevent und da konnte ich natürlich nicht widerstehen. Nach knapp fünf Stunden Flug aus Deutschland kommend nach Sharm El Sheikh, einstündigem Transfer und etlichen Trinkgeldern erreichten wir den Wüsten Ort im Golf von Azzalah. Die Tatsache das wir mehrere intensive Kontrollen passieren mussten und wir unsere komplette Reise zusammen mit Andre Paskowski verbrachten, der bereits einen Monat vorher Dahab besuchte, wich die Beklommenheit und Unsicherheit von mir und ich konnte auf Anhieb das für mich magische Ambiente genießen, auch wenn bei der Ankunft um 9 Uhr abends immer noch Temperaturen um die 33 Grad herrschten, allerdings bei einer Luftfeuchtigkeit von nur knapp 35 % im Gegensatz zu den teils 90 % die ich von meiner Heimatinsel kenne, kam mir selbst das extrem angenehm vor.

Bei der Ankunft erwartete uns bereits die Crew von Planet Windsurf und Happy Surf auf einen ersten Cocktail. Kaum die ersten Drinks an der Club Dahab Strand Bar bestellt, kamen wir aus dem Begrüßen nicht mehr heraus, ich war schon sehr überrascht wie viele alte Bekannte aus dem Worldcup und von anderen Windsurf Centern wir hier wieder treffen konnten, einem sehr witzigen und guten Aufenthalt konnte jetzt wirklich absolut nichts mehr im Wege stehen, wenn der Wind auch noch mitspielen würde.

Leider verhalf uns dieser am ersten Tag zu einem sehr relaxten Aufbau des Equipments, denn nur eine leichte Brise strich über die Bucht. Trotzdem machte ich mich auf Erkundungstour um die diversen Spots wie der Lagune, dem Speedy, Baby Bay und dem Kamikaze kennen zu lernen und die Gefahrenstellen auszumachen, denn ich musste feststellen, das die zwei vorkommenden Riffs recht flach unter der Wasseroberfläche liegen und die Seeigel monströs im Gegensatz zu unseren heimischen sind.

Auch wenn ich nach knapp zwei Monaten mit extrem wenig Zeit auf dem Wasser auf ausgiebige Trainingszeiten gehofft hatte, verhalf mir der Ort und das Ambiente dazu, den windlosen Tag in vollen Zügen zu genießen, auch wenn ich feststellen konnte das eine länger anhaltende Flaute zu etwas Langeweile beitragen könnte, obwohl man mit Ausflügen nach Sharm El Sheikh, zu den Beduinen, Moses Berg etc. einiges geboten bekommen kann. Glücklicherweise konnte ich das Rahmenprogramm erst einmal in den Hinterkopf schieben, denn es sollte nicht windlos bleiben.

Bereits an meinem zweiten Tag im Orient musste ich feststellen, das ich trotz langer Überlegungen eventuell die falschen Segel eingepackt hatte, denn das der Wind auch locker für mein 3,7er Segel reichen könnte, hatte mir im Vorfeld niemand sagen wollen und die Statistiken sprachen auch nicht unbedingt dafür.

Vor Ort wurde mir aber versichert, das der Wind gerade zwischen August und November sehr häufig derart über den Sinai fegt und nach weiteren Tagen mit zuviel Druck im mitgebrachten 4,2er kann ich diese Aussagen nur noch bestätigen. Allerdings folgte nach dem Wind, wie überall auf unserem Planeten, die Flaute, welche uns Zeit verschaffte die schon genannten Riffs Seven Towers, welches sich zwischen der Lagune und dem Spot Speedy befindet und Neptun, weitaus größer und zwischen Speedy und Kamikaze gelegen, mit Schnorchel und Flossen bewaffnet zu erkunden.
Eintauchen in die Welt von Nemo, ein weiterer meiner Träume die ich mir immer erfüllen wollte, wobei dieser durch den beinahe Kontakt mit einem Feuerfisch fast vorzeitig beendet gewesen wäre. Eine weitere Lektion, bestaune die Unterwasserwelt, aber versuche nicht direkten Kontakt mit ihr aufzunehmen, auf jeden Fall nicht, wenn man keine Ahnung von seinem Gegenüber hat.
Auftauchen, genug Zeit unter Wasser verbracht, jetzt sollte es wieder über dem Wasser zur Sache gehen und pünktlichst zu unserem „Improve your Skills“ Event am neuen Planet Windsurf Center, weswegen wir angereist waren, kam der Wind in der Stärke, in der wir ihn bereits kennen gelernt hatten zurück und das 4,2er wurde zu meinem Standart Segel.

Morgens und nachmittags Theorie und Praxis Einheiten mit unseren Gästen und dazwischen trainieren für die kommende Worldcup Saison, das war mein Plan, und die Bedingungen halfen mir zur perfekten Umsetzung. Das perfekte Flachwasser in der Baby Bay verhalf mir zum Easy Learning und das kabbeligere Wasser im Speedy zur Umsetzung in schwierigeren Bedingungen.
Dahab heißt früh aufstehen, wenn man den Tag mit Windsurfen ausfüllen möchte. Die Sonne geht bereits gegen 4.30 Uhr auf, nicht zu übersehen und je nach Lage des Zimmers zum Wind, auch nicht zu überhören, denn jeweils zu Sonnenaufgang wie auch zum Sonnenuntergang dröhnen die arabischen Gebete aus den Lautsprechern der Moscheen und es scheint als würde mit den Gebeten auch der Wind herbei gerufen und wieder abbestellt, denn der Wind ist morgens am stärksten und nimmt gegen Nachmittag immer weiter ab.
Einer Morgen Session vor den ersten Unterrichtseinheiten und teilweise vor dem Frühstück stand nie etwas im Weg, außer vielleicht das meine Knochen und mein Kopf manchmal nicht ganz so wollten wie gedacht. Aber selbst das geriet schnell in Vergessenheit, beim Cruisen und Freestylen bei konstantem Wind und vor dieser atemberaubenden Kulisse der morgens extrem Rot schimmernden Berge des Sinai, die gewaltig über das türkisblaue Wasser zu ragen schienen. So könnte jeder morgen meines Lebens beginnen, wenn ich dann nicht so viele andere Länder und Reisen verpassen würde und der Drang zurück zu meinem Home Spot El Yaque so groß wäre.

Aber erstmal zurück zur Arbeit. Mit all diesen morgendlichen Eindrücken im Kopf und nach ausgiebigem Frühstück ging es zur täglichen Arbeit, welche allerdings ein großes Vergnügen für mich wie auch für Tom ist, da es sich auch um unsere Passion, das Windsurfen handelt und wir so vielen Leuten verschiedenen Alters weiterhelfen können den jeweiligen Windsurfspaß durch Erlernen neuer Moves oder einfach des Wasserstarts oder sicheren Gleitens stark zu erhöhen oder teilweise erst die Sucht nach dem Windsurfen zu entfachen.
Und zwischen den Unterrichtseinheiten in der Lagune Dahabs, welche als Lehr Revier auserkoren wurde, da sich die meisten Windsurfaufsteiger dort am wohlsten und sichersten fühlten, ging es an die Baby Bay oder ins Speedy um selbst an eigenen Moves weiter zu arbeiten.
Die Gestaltung des jeweiligen Abendprogramms vom Videoabend, mit der Vorführung des eigens für das Event erstellten Video Clips über einen arabischen Tanzabend bis hin zum Ausflug in den alten Ortskern von Dahab nach Masbat brachte uns der orientalischen Kultur etwas näher, was wir in der teils windlosen ersten Woche unseres Aufenthalts leider versäumt hatten.

Aber zurück zum arabischen Tanzabend, nachdem wir während der Wochentage nicht eine einzige arabische Frau zu sehen bekamen und selbst das komplette Hotel Personal nur aus Männern bestand, erwarteten wir einige sehr konservative Tänze und sollten ganz schön überrascht werden, als die arabischen Jungs und auch Mädels mehr als modern vor uns her tanzten, bei ebenfalls modernen arabischen Rhytmen, die direkt ins Blut übergingen und auch die Art des Tanzes und die Bekleidung der Mädels ließ er an ein aktuelles Hip Hop Video auf MTV erinnern, zum großen (Er) Staunen der gesamten anwesenden Männerwelt.

Der Ausflug nach Masbat, zum Shoppen und schlendern entlang der mit Strandbars und Restaurants gesäumten Strand Promenade, löste bei einigen im ersten Moment etwas Unbehagen aus, denn hier passierten die Anschläge im April. Kaum in Masbat angekommen wurden aber alle überzeugt, das es eigentlich keinen wirklichen Grund mehr für dieses Unbehagen geben sollte. Sehr diskrete Kontrollen alle paar Meter bescherten uns ein ziemliches Sicherheitsgefühl und in aller Ruhe konnten wir unsere Cafe´s und Schischas, der berühmten arabischen Wasserpfeife, meist mit Apfelgeschmack gereicht, genießen.
Auch die Freundlichkeit der Araber an allen besuchten Orten wie auch am Strand, sorgten ebenfalls für das Wohl aller und ich bin mir sicher, das die meisten den Ort Dahab nicht zum letzten Mal besucht haben.
Wir kehren auf alle Fälle im kommenden Jahr zurück, sei es einfach zum genießen und trainieren oder für unser Event an gleicher Stelle im September 2007. An viele Orte der Welt kommen wir immer wieder gerne zurück und das ägyptische Dahab steht wird dabei jetzt auch ganz oben auf unserer Liste stehen.

Nach einer tollen Zeit ging es zurück zum Flughafen nach Sharm El Sheikh, welcher glücklicherweise gerade stark ausgebaut wird, denn es war nicht zu übersehen, das das bisherige Terminal nicht wirklich den Ansprüchen der Fluggesellschaften und Abreisenden genügen, eingepfercht wartete man aufs Check In, bevor es in die überfüllte Basarähnliche Abflughalle ging. Wir empfanden es nicht als negativ sondern eher als letzte Möglichkeit nochmals orientalische Luft zu schnuppern, bevor es für einen kurzen Aufenthalt zurück nach Deutschland ging.

Text : Tom Brendt / Yoli de Brendt
Fotos : Tom Brendt

Quelle: SOULRIDER.COM

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veröffentlicht am 28.01.2007

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