Philip Köster im Interview:
Keine Stammkneipe für den Weltmeister

Im Interview spricht Philip Köster über den kommenden Windsurf World Cup Sylt 2014, einen möglichen Triple Loop und warum ein Rekordweltmeister keine Stammkneipe hat.

Philip Köster Interview 2014 Windsurf World Cup Sylt.  Foto: Act AgencyEine Woche vor dem Windsurf World Cup Sylt 2014 am 26. September berichtet der zweimalige Waveriding-Weltmeister Philip Köster im Interview über Karriereentwicklung, einem möglichen Triple Loop und uneinschätzbaren Bedinungen vor Westerland. Zehn Tage lang wird er auf Sylt gegen die Weltelite des Windsurfen vor Hunderttausenden Zuschauern beim einzigen Super Grand Slam der PWA Tour antreten.

Das Interview mit dem Weltmeister

Nach zwei World Cups in Spanien zieht die PWA World Tour nun in den Norden. Wie lautet Dein Fazit nach den „Heim-Events“ im Süden?

In Pozo auf Gran Canaria lief es nicht ganz so gut. Dort bin ich im Viertelfinale trotz gleicher Punktzahl gegen den Brasilianer Campello ausgeschieden. Ich dachte zwar direkt nach dem Lauf, dass meine Wellen-Performance besser bewertet würde und ich weiterkomme - aber so ist das eben. Dafür habe ich danach auf Teneriffa gewonnen und liege damit voll auf WM-Kurs.   

Was macht der Triple Loop?

Hast Du neue Tricks auf Lager und was macht der Triple Loop, den Du als erster Waverider der Welt stehen wolltest?

Ich habe ein paar kleinere neue Manöver eingeübt und auch den Triple Loop trainiert. Es klappt schon ganz gut, aber es muss auch alles passen - Wind, Wellen und natürlich meine Form. An meinem Homespot in Vargas auf Gran Canaria habe ich die besten Chancen, diesen schwierigen Sprung zu stehen, weil ich die Bedingungen genau kenne.

Bist Du im Vergleich zu Deiner ersten Weltmeisterschaft vor drei Jahren heute besser?

Ich bin heute einfach erfahrener und kann auch bei schwierigen Bedingungen meine besten Sprünge und Moves zeigen. Früher hat mich das schon sehr gestört, wenn Wind oder Wellen nicht perfekt waren. Dann wollte ich manchmal einfach zu viel und bestimmte Manöver erzwingen. Ich bin gelassener geworden und nehme die Dinge, wie sie kommen.

Seine Meinung zu den deutschen Waverider

Die deutschen Waverider sind in diesem Jahr bärenstark. Zusammen mit Dir sind vier unter den Top Ten der Weltrangliste, insgesamt sechs unter den besten Zwanzig. Hast Du dafür eine Erklärung?

Philip Köster Interview 2014 Windsurf World Cup Sylt.  Foto: Act AgencyIch hätte nicht gedacht, dass einmal so viele deutsche Waverider in der Weltspitze mitfahren würden und finde das total cool. Es freut mich sehr für meine Waveriding-Kollegen, denn  alle sind ehrgeizig und trainieren viel. Das zahlt sich eben aus.

Auch Du verbringst nach wie vor die meiste Zeit im Wasser.

In Vargas, wo ich lebe, ist eigentlich immer Wind und wenn Wind ist, bin ich auf dem Wasser. Das war so und das wird in den kommenden Jahren auch so sein. Das Niveau im Waveriding ist mittlerweile so hoch und die Konkurrenz so stark, da muss man hart trainieren, sonst hat man keine Chance.

Viele Fahrer gehen nebenbei noch ins Fitness-Studio.

Das ist überhaupt nichts für mich. Sport will ich draußen in der Natur betreiben. Ich gehe ab und zu Laufen und halte mich ansonsten im Wasser beim Windsurfen fit.

Warum er lieber springt als abreitet

Philip Köster Interview 2014 Windsurf World Cup Sylt.  Foto: Act AgencyDu gilst im Waveriding als bester Springer, gehörst mittlerweile aber auch beim Wellen abreiten zur absoluten Weltspitze.

Sprünge sind nach wie vor meine Leidenschaft. Es gibt nichts Schöneres, als meterhoch in der Luft über dem Meer zu schweben. Aber das Wellen abreiten macht mir mittlerweile auch viel Spaß und ich trainiere hart, um mich darin weiter zu verbessern. Außerdem geht es nicht so auf die Knochen wie die harten Landungen nach den hohen Sprüngen.

Am 15. September hat in Klitmöller der letzte Waveriding-Event vor dem Windsurf World Cup Sylt begonnen. An das „Cold Hawaii“ in Dänemark hast Du bestimmt gute Erinnerungen.

Ich habe in Klitmöller meinen ersten WM-Titel geholt und ihn hier ein Jahr später vorzeitig verteidigt. So was vergisst man, glaube ich, nie. Der Event passt auch gut in den Tourplan, da es eine Woche später mit dem World Cup auf Sylt weiter geht.

Dort bist Du 2011 und 2012 vor Tausenden von Zuschauern zum Weltmeister gekürt worden. Das war doch auch sehr eindrucksvoll?

Philip Köster Interview 2014 Windsurf World Cup Sylt.  Foto: Act AgencyAls Deutscher in seinem Heimatland zum Weltmeister gekürt zu werden und dann noch vor diesen unglaublich vielen Zuschauern, war etwas ganz Besonderes. Diese Begeisterung für das Windsurfen und diese Menschenmassen gibt es nur auf Sylt und nirgendwo anders auf der Welt.

Der World Cup Sylt ist aber wahrscheinlich für Dich abseits des Wassers der stressigste Event?

Ganz am Anfang war das vielleicht so, als alles für mich neu war, so wie die vielen Medienanfragen und die Autogrammwünsche der Leute. Aber daran habe ich mich gewöhnt und mache das inzwischen gern. Außerdem sind das insgesamt nur zehn Tage im Jahr, in denen das so ist. Bei den anderen World Cups geht es für mich wesentlich ruhiger zu.

Der Weltmeister ohne Stammkneipe

Gibt es auf Sylt spezielle Orte, die Du in jedem Jahr aufsuchst so wie bestimmte Gaststätten? Oder ist das Meer sozusagen Deine Stammkneipe?

Ich habe keine Stammkneipe, denn ich gehe abends so gut wie nie weg. Auf Sylt bin ich meistens in meinem Appartement, wenn es keine Wettkämpfe gibt oder ich warte am Strand auf den Wind. Am liebsten bin ich auf dem Wasser, aber das ist nicht nur auf Sylt so.

Du hast 2012 in Westerland gewonnen und bist, da 2013 kein Wind war, Titelverteidiger. Die heimischen Fans erwarten jetzt einen erneuten Sieg von Dir.

Ein Erfolg auf Sylt bedeutet unheimlich viel. Hier vor diesem Riesen-Publikum die größte Windsurf-Veranstaltung der Welt zu gewinnen, ist für uns Fahrer das Größte. Aber das Revier ist auch extrem schwierig. Der Wind kommt aus verschiedenen Richtungen, die Wellen sind teilweise sehr hoch, aber unberechenbar. Es kostet unheimlich viel Kraft, sie abzureiten. Dazu kommen noch die Bunen, auf die man immer aufpassen muss. Und ich muss mich in jedem Jahr aufs Neue an die Kälte gewöhnen. 

Am Ende der Saison steht dann Dein dritter WM-Titel?

Das ist mein Ziel und ein Sieg auf Sylt wäre ein großer Schritt in Richtung dritte Weltmeisterschaft.

Weitere Informationen sind auf der Homepage von Philip Köster und dem Windsurf World Cup Sylt zu finden.

Interview: Cool Water Windsurf World Cup Sylt

veröffentlicht am 19.09.2014

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