Interview mit Big Wave Surfer Sebastian Steudtner:

Sebastian Steudtner ist der erste deutsche Surfer, der die Billabong XXL Global Big Wave Awards gewonnen hat. Im Interview erfahrt ihr mehr über den Wellenreiter und seine große Leidenschaft.

Sebastian Steudtner surft am Big Wave Spot Jaws auf Hawaii.  Foto: Eric Aeder.com/BillabongXXL Auf Deiner Hompage schreibst Du, dass man als Tow-In-Surfer ständig abrufbereit sein muss und gegebenenfalls innerhalb von 48 Stunden an die entlegensten Orte der Welt kommen muss. Wie vereinbart sich das mit Deinem Leben neben dem Wellenreiten?
Surfen ist mein Leben und das ist wirklich so! Ich ordne alles dem Surfen unter, deshalb ist das für mich kein Problem.

Als Surfer bist Du sehr stark auf große Wellen angewiesen. Welche Informationsquellen bieten sich Dir, um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein?
Zum einen gibt es das Internet. Es bietet Webpages, die sich einzig mit diesem Thema beschäftigen. In eigens dafür eingerichteten Büros machen Meteorologen Wellenvorhersagen für Surfer. Dadurch kann man etwa eine Woche davor erkennen, wo sich auf der Welt etwas zusammenbraut. Etwa 48 Stunden vorher kann man dann definitiv sagen, ob die Wellen, der Wind und die Wetterbedingungen passen.

Wenn die Bedingungen passen und Du letztendlich an dem entsprechenden Ort angekommen bist, wie bereitest Du Dich auf die Surfsession vor? Gibt es dabei vielleicht so eine Art Schema nach dem Du vorgehst?
Es kommt darauf an, wann man den Ort erreicht, also wie kurzfristig es wird. Manchmal kommt man in der Nacht an und das Einzige, was man machen will, ist schlafen, damit man noch ein bisschen Ruhe bekommt. Normalerweise aber sollte ich einen Tag davor dort sein. Dann bereite ich nach dem Flug das Material vor, gehe einmal kurz sprinten, um den Kreislauf in Gang zu setzen und die Muskulatur zu aktivieren nach dem Flug. Später schaue ich mir meistens mit meinem Team den Spot an. Danach nochmals Jetski und Rettungsequipment, etc. checken, kurzer Sprint und dann ab ins Bett!

Du hast also einen ziemlich geregelten Ablauf?
Ja, und diese Routine ist sehr wichtig! Damit man genau weiß, was zu tun ist und nicht in der Ungewissheit lebt, wo muss ich hin, was mache ich. Eigentlich ist es das Wichtigste, dass man ruhig wird und bleibt.

Sind die Sachen so berechenbar? Denn Surfen an sich ist doch alles andere als berechenbar, oder?
Das stimmt! Wir hatten beispielsweise auf einem Trip in Chile insgesamt drei Tage Swell und der erste Tag war super stürmisch und windig. Am nächsten Tag hatten wir dafür perfekte Bedingungen für zwei Stunden, das heißt, kein Wind und eine glatte Welle. Nach diesen zwei Stunden zog allerdings ein so dichter Nebel auf, dass man nichts mehr sehen konnte. Also es ist schon unberechenbar, aber man kann das Risiko mittlerweile stark verringern. Aber es kann nach wie vor passieren, dass man an einen Spot kommt und zwei Tage im Regen sitzt.

Du hast zuvor von Deinem Team gesprochen. Wer ist denn Dein Partner und nach welchen Kriterien hast Du ihn ausgewählt?
Daniel Goldberg. Die Auswahlkriterien sind zum einen Können und Wissen. Er muss verstehen, wie ich ticke. Muss wissen, wo er mich absetzen muss, wie meine sportlichen und mentalen Fähigkeiten sind, also wie risikobereit ich bin, wie viel Stress ich aushalten kann. Wenn beispielsweise zehn Jetskis auf eine Welle zufahren und alle diese Wellen haben wollen, gibt es Surfer, die dann lieber warten und keinen Stress wollen, andere wiederum wollen sich den Stress geben. Solche Sachen sind wichtig. Außerdem muss ich ihm zu hundert Prozent vertrauen können. Er muss gegebenenfalls auch bereit sein, das Risiko einzugehen sich selbst in Gefahr zu begeben, um mich aus der Gefahrenzone zu holen. Und zum anderen muss man natürlich persönlich gut mit ihm klar kommen.

Neben der Aufgabe Dich in die Welle zu ziehen, hat Dein Partner auch andere Aufgaben?
Natürlich! Er ist die erste Rettungsinstanz für mich. Sollte ich gewaschen werden, ist er der erste Jetski, der wieder in die Gefahrenzone fährt, um mich rauszuholen. Ich hab in Jaws insgesamt drei Jetskis. Einer, der mich zieht und mich auch wieder rausholt. Sollte er es nicht schaffen, kommt ein zweiter und schließlich ein dritter Jetski. Der dritte Jetskifahrer ist zugleich auch ein Mechaniker, der sich um technische Probleme kümmern kann, sollte irgendetwas auf dem Wasser mit den Jetskis passieren. Und nur dadurch kann ich mich relativ sorgenfrei auf das Risiko einlassen und performen, denn ich weiß, auch wenn ich bewusstlos werde, holt mich jemand raus.

Mit Deiner Welle auf Maui hast Du hier in Deutschland für viel Aufsehen gesorgt und Dir den Sieg bei den Billabong XXL Global Big Wave Awards 2010 gesichert. In der Kategorie „Biggest Wave“ waren neben Dir Ross Clarke-Jones, Ian Walsh, Makua Rothman und Danilo Couto nominiert. Hast Du deren Clips gesehen und falls ja, was hältst Du davon?
Ich hab die meisten Wellen sogar live gesehen. Das sind alles hervorragende Tow-In-Surfer! Ich möchte da keinen besonders hervorheben. Wenn ich einen Favoriten unter allen Surfern wählen müsste, dann wäre es Ian Walsh, allein schon von seinem Stil und der Art, wie er surft. Das gefällt mir sehr gut! Die Wellen in den Clips sind alle sehr groß. Meines Erachtens ist aber meine Welle die Größte gewesen. Es war schwierig, an diesem Tag die großen Wellen zu bekommen, weil sehr viel los war und nicht so viele große Wellen durchgekommen sind. An den beiden Tagen auf Maui waren die Wellen generell nicht „so groß“, nur selten kamen richtig große Wellensets rein. Jedes davon hat sich bei der Nominierung der Billabong XXL Awards letztendlich durchgesetzt.

Die Billabong XXL Global Big Wave Awards werden auch als die „Oscarverleihung der Wellenreiter“ bezeichnet. Hast Du Dir schon früher vorstellen können, einmal bei diesen Awards nominiert zu sein?
Ich bin schon 2006 eine der größten Wellen in Jaws gesurft, aber damals gab es die Kategorie „Biggest Wave“ noch nicht. Von daher wäre es theoretisch schon einmal möglich gewesen, dass ich nominiert gewesen wäre. Ich sag es mal so: Jaws hat in den letzten fünf bis sechs Jahren keine Beachtung in den Surfmedien gefunden, auch weil es diese perfekten Tage nicht gab. Also diese sogenannten „Epic Days“ hatten wir einfach nicht. Und deshalb freue ich mich natürlich um so mehr, nicht nur über die Nominierung, sondern auch dass es seit 1969 der beste Winter war und ich zu dieser Zeit auf Hawaii sein konnte und keinen einzigen Swell verpasst habe. Das ist super!

Was bedeuten denn eigentlich die Billabong XXL Global Big Wave Awards 2010 für Dich?
Für mich bedeutet das zunächst einmal primär, dass ich international Annerkennung für meine Leistung bekomme. Natürlich kann es auch sein, dass das für mich ein Sprungbrett zu möglichen Sponsoren usw. ist und ich mich so richtig auf den Sport konzentrieren kann.

Wie viel sind Dir die Billabong XXL Global Big Wave Awards wert im Vergleich zu dem Gefühl so eine Welle gesurft zu sein?
Das ist schwierig zu beantworten. Rein der Preis bedeutet mir nicht viel. Jeder Tag auf der Welle würde den Wert des Geldes aufwiegen. Auch wenn ich Millionär wäre, würde ich dafür zahlen, dass ich diese Wellen surfen dürfte. Also das Geld ist kein besonderer Reiz, schon mehr aber die Möglichkeiten, die sich damit für mich eröffnen. Da ich den Sport als Leistungssport sehe und ihn auch als Hauptberuf machen will bzw. jetzt auch mache, sind die Billabong XXL Global Big Wave Awards genauso viel wert wie die Welle. Denn ohne ihn kann ich rein finanziell gesehen nichts mit ihr anfangen und natürlich ist so eine Awardshow cool, oder?

Vielen Dank, Sebastian, für das Interview!

veröffentlicht am 24.04.2010

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