10 Fragen an Windsurfer Sebastian Kördel:

Im Interview verrät uns Windsurfer Sebastian Kördel, warum man erfinderisch sein muss, wenn man am Bodensee wohnt, welche Nachteile ein Neoprenanuzg mit sich bringt und weshalb bei ihm kein Wochenende dem anderen gleicht.

Was machst Du, wenn Du nicht gerade Windsurfen gehst?
Windsurf-Profi Sebastian Kördel.  Foto: privatAm Bodensee bin ich Zuhause und da dieser nicht gerade berühmt und berüchtigt ist für viel und vor allem für konstanten Wind, verbringe ich leider viel zu viel Zeit auf dem Land als auf dem Wasser. Doch wenn sich mir eine Möglichkeit bietet an, in oder auf das Wasser zu kommen, bin ich sofort Feuer und Flamme. Wenn ich aber dann doch wieder wartend am Strand sitze, vertreibe ich mir die Zeit mit Wakeboarden, was mir unglaublich viel Spaß bereitet. Wenn der Windmesser jedoch die totale Flaute anzeigt, bin ich im Fitnessstudio FAZZ anzutreffen. Dort trainiere ich mindestens drei Mal die Woche, damit ich auch international mithalten kann, wenn ich schon nicht so viel Trainingszeit auf dem Wasser habe. Damit ich mein Training so abwechslungsreich wie möglich gestalten kann, gehe ich auch noch regelmäßig schwimmen um meine Kondition auf Trab zu halten. Abends widme ich mich dann des Öfteren meiner außersportlichen Leidenschaft - dem Kochen. So kommt meine Familie häufig in den Genuss von einem Drei-Gänge-Menü, das ich zusammen mit meiner Freundin zaubere. Schlussendlich steht ja noch die Schule an, die ich aber erfolgreich und problemlos nebenher meistere. So steuere ich zielstrebig meinen Abschluss an, denn mein Abi steht schon 2010 vor der Türe.

Erzähl uns von Deinen Anfängen im Windsurfen? Wie bist Du dazu gekommen?
Meine Anfänge im Windsurfen sind nicht wirklich spektakulär, ich habe eher ganz klassisch im Alter von fünf Jahren mit dem Optifahren angefangen, was mir aber ziemlich schnell zu langsam wurde. So stieg ich auf den Contender um, der meinen Ansprüchen in Sachen Geschwindigkeit aber auch nicht lange standhalten konnte. Da mein Dad ein unglaublich begabter Segler ist, hat er mich die ganze Zeit auf meiner „Selbstfindungsphase“ begleitet, bis er schließlich selbst ein Surfbrett unter den Füßen hatte, was mich als siebenjähriger Junge unglaublich faszinierte. Ab diesem Zeitpunkt war für mich klar, dass das mein Sport sein würde, den ich mittlerweile seit elfeinhalb Jahren mit Leib und Seele betreibe.

Gab und gibt es Vorbilder? Was macht für dich einen „herausragenden“ Windsurfer aus?
Ja, anfangs gab es ein unangefochtenes Vorbild für mich. Andy Laufer, der genau wie ich im Lorch-Team groß geworden ist, war mein großes Vorbild. Ich sah deshalb zu ihm auf, weil er immer vorne mitgefahren ist und nie dabei seinen Spaß verloren hat. Heute habe ich in dem Sinne kein Idol mehr, ich versuche eher meinen eigenen Weg zu gehen. Ein „herausragender“ Windsurfer hat meiner Meinung nach viele Eigenschaften. Eine der wichtigsten Voraussetzung dafür ist, eine Menge Talent mitzubringen und im selben Zug eine gute Portion Disziplin an den Tag zu legen, um sein Talent weiter auszubauen und bereit zu sein zu kämpfen. Des Weiteren benötigt man genügend Hingabe und sehr viel Leidenschaft, sodass man trotz schmerzender Oberschenkel, kaputten Händen und Armkrämpfen immer noch mit einem Lächeln und einem Spruch auf den Lippen weiterfahren kann. Diese Eigenschaft ist extrem erforderlich, damit man nicht versucht zu verbissen seine ohnehin vielleicht zu hoch gesteckten Ziele zu verfolgen. Man sollte nie seinen Spaß an diesem Sport verlieren oder vergessen, es ist wichtig, sich selbst und seinen Prinzipien treu zu bleiben, aber im Gegenzug trotzdem ein gesundes Maß an Ehrgeiz aufbringen. 

Ziele für diese Saison?  Ziele überhaupt? Gibt es etwas das Du unbedingt noch machen willst?
Windsurf-Profi Sebastian Kördel.  Foto: privatMeine Ziele, die ich mir für diese Saison vorgenommen hatte, habe ich schon mit Bravour erfüllt. Im Juli dieses Jahres war ich in Spanien zur Formula-WM und hab es dort unter die Top 5 geschafft. Anschließend nahm ich an der Slalom-WM auf der Karibikinsel Bonaire teil und wurde Vizeweltmeister. Jetzt komme ich gerade von der Europameisterschaft in Kiel, bei der ich mich auch wieder unter den Top 5 beweisen konnte.
Was ich unbedingt gerne einmal erleben würde, und mir sehnlichst wünsche, ist, nach Maui oder Kapstadt zu fliegen und dort in der Well zu surfen.

Wo siehst Du den Windsurf-Sport in 10 Jahren?  Und wo siehst Du dich persönlich?
Ich hoffe, dass der Windsurf-Sport dann wieder ganz weit oben zu sehen ist und sich diese Branche wieder erholt. Vielleicht wird ja dann die Jugend, vor allem in Deutschland, besser gefördert. Ich muss aus eigener Erfahrung ehrlich sagen, dass ich mich relativ vernachlässigt fühle, wenn ich zum Beispiel jugendliche Fahrer aus anderen Nationen sehe. Aber es besteht ja immer noch Hoffnung, dass in dieser Hinsicht mal ein richtiger Windstoß in das Segel bläst. Ich selbst sehe mich in zehn Jahren auf jeden Fall mit viel Spaß und gewaltig viel Motivation beim Surfen. Ich möchte mich im professionellen Level weiter hochkämpfen und dann auf den Worldcups dieser Welt vertreten sein.

Rituale: Wie bereitest Du Dich auf einen Wettkampf vor? Gibt es Quellen der Inspiration und Unterstützung?
Windsurf-Profi Sebastian Kördel.  Foto: privatWenn ich an einen neuen Spot komme, oder sei es auch nur ein altbekannter, dann führt mich mein erster Schritt immer erst direkt zum Wasser. Dort bin ich dann in Gedanken nur für mich, mache mir ein Bild von der momentanen Lage und werfe zum Schluss einen schönen Stein weit hinaus ins Wasser. Das ist für mich so eine Art Anmeldung dem Wasser zu sagen: „ Hallo, hier bin ich!“ Natürlich auch in der Hoffnung auf ein erfolgreiches Rennen ohne Materialschäden und ohne Blessuren.
Die größte Quelle der Inspiration stellt für mich meine Freundin dar, bei der ich Kraft tanken kann und die mich wirklich grandios unterstützt. Vor einem Rennen brauche ich nämlich sozusagen seelische Ruhe und keinen Stress von außerhalb, der mich unnötig belastet.

Was war –gefühlt- dein größter Erfolg? Was deine größte Niederlage?
Der größte Erfolg war für mich der Marathon-Sieg 2008 im Engadin auf dem Silvaplanasee. Es war einfach ein unbeschreibliches Gefühl von so vielen Mitstreitern der Beste und Schnellste zu sein. Das war einfach großartig (lacht)! Meine größte Niederlage? Die gab es bisher noch nicht! Natürlich habe ich schon hier und da ärgerliche und vermeidbare Fehler gemacht, die mich den ein oder anderen Platz gekostet haben, aber ich habe so eine Fehltritt noch nie als eine Niederlage in meinem Leben vermerkt. Denn jeder Start, jedes einzelne Rennen, jeder noch so kleine Fehler kann ich als neue Erfahrung abbuchen und daraus lernen.

Was war das Peinlichste, was Du je erlebt hast?
Windsurf-Profi Sebastian Kördel.  Foto: privatOh je, (lacht) das war eine ganz schön peinliche Geschichte. Meine Freundin und ich sind zusammen mit dem Wohnwagen zu einem Rennen der Schweizer Meisterschaft gefahren. Der Campingplatz war bis ins hinterste Eck zugestellt. Nachdem die Startsequenz für das erste Rennen des Tages gestartet wurde, fing auf einmal die Hektik im Fahrerlager an. Ich hatte schon alles aufgebaut und war gut in der Zeit, deshalb wollte ich mich in Ruhe im Wohnwagen umziehen, wo meine Freundin mich erwartete. Doch anstatt mir bereitwillig den Neoprenanzug entgegenzustrecken, verführte sie mich nach allen Regeln der Kunst. Da die Zeit dann aber doch etwas zu knapp bemessen war, musste ich mich ihr wohl oder übel entreißen und in den hautengen Neopren reinschlüpfen. Die Auswirkungen, die meine Freundin mutwillig verursacht hatte, waren jetzt leider deutlich sichtbar und zeichneten sich unter dem Stoff sehr detailliert ab. So musste ich gezwungenermaßen mit erhobenen Armen, um mein Surfmaterial zu tragen, durch das überfüllte Fahrerlager tigern, während meine Freundin sich vor Lachen in der Wohnwagentür krümmte.
 
Mit welcher Person würdest Du gern mal für einen Tag tauschen?
Bei dieser Frage habe ich ganz schön lange überlegen müssen. Ich würde gerne mal mit Michael Schuhmacher zu seinen besten Zeiten tauschen, und in der Formel 1 mitfahren, denn für den Motorsport habe ich eine Schwäche.

Wie sieht ein Wochenende ohne Sport aus?
Windsurf-Profi Sebastian Kördel.  Foto: privatEin Wochenende ohne Sport fängt folgender Maßen an: Zuerst schlafe ich ganz lange aus, und werde überaus zärtlich von meiner Freundin geweckt. Dann setze ich mich an einen fertig angerichteten Frühstückstisch draußen im Garten, wo schon ein blauer Himmel und frische Laugencroissants auf mich warten. Nachdem ich dann ausgiebig und in aller Länge gefrühstückt habe, kann kommen, was will. Denn der Tag hat ja bereits so toll angefangen, dass mich so schnell nichts mehr vom Hocker reißen kann, da ich fürs erste rundum zufrieden bin. So ein Wochenende kann sehr vielfältig sein: Entweder mache ich einen ausgedehnten Spaziergang mit meiner Freundin und meinem Hund, oder ich gehe mit ihr einkaufen, um dann unsere Kochkünste wieder zum Besten zu geben. Je nach Lust und Laune ist abends auch mal ein Discobesuch, eine Kneipennacht, eine Partie Billard mit Freunden oder ein guter Kinofilm mit im Programm. Ein Wochenende ohne Sport sieht bei mir eigentlich nie gleich aus. Ein Wochenende bin ich auch mal nur am Chillen und spiele Couch-Potato und am nächsten bin ich voller Elan und ständig auf Zack.

Vielen Dank für das Interview!

Für weitere Informationen siehe auch www.bastikoerdel.com

veröffentlicht am 21.08.2009

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