Windsurferin Karin Jaggi im Interview:

Sie ist die schnellste Windsurferin der Welt. Und Karin Jaggi liebt es, früh aufzustehen: meistens noch vor sechs Uhr morgens. Früher hat sie da für die Uni gepaukt, heute kümmert sie sich um die Medienangelegenheiten der PWA. Wir trafen sie zum Interivew.

Karin Jaggi.  Foto: John CarterWer ist Karin Jaggi? Erzähl uns kurz von dir.
Ich bin eher der ruhige, überlegte Typ. Dazu sehr zielstrebig und äußerst ausdauernd. Ganz nach dem Motto „wo ein Wille ist – da ist auch ein Weg“ glaube ich nicht, dass einem Sachen geschenkt werden, sondern dass man sich sein eigenes Leben erarbeitet. Weiter bin ich ein Adrenalin-Junkie und der Wettkampftyp: je belastender und risikoreicher eine Situation ist, desto interessanter erscheint sie mir.

Du bist die schnellste Windsurferin der Welt. Wie fühlt es sich an, mit über 76 km/h über die Wasseroberfläche zu schießen?
Beim Rekord fühlt sich dies alles ganz leicht, fließend und überhaupt nicht schnell an. Denn, wenn man einen Rekord fährt, muss alles stimmen. Die Läufe zuvor und danach – wo ich nach Zeitmessung langsamer war – fühlten sich dagegen viel krasser an. Wen man nicht hundert Prozent Kontrolle hat, denkt man öfter daran, dass das Wasser beim Sturz mit dieser Geschwindigkeit wie Beton sein wird, der Wind erscheint einem unendlich böig und man kämpft dagegen.

Karin Jaggi.  Foto: John CarterWindsurfen ist immer noch eine Männerdomäne, obwohl immer mehr Damen im Profizirkus aufhorchen
lassen. Wie hast du es geschafft, dich über die Jahre so gut zu behaupten?
Als ich angefangen habe, waren die Damenfelder immer voll – d.h. immer 32 Frauen am Start. Dann wurde es finanziell schwieriger, auf Tour zu überleben – und als erstes mussten die Mädels daran glauben. Sie verloren ihre Sponsoren und somit auch die Lust, in dieser Männerdomäne zu überleben. Unterdessen geht es den Jungs finanziell genau so schlecht und somit gleicht sich die Bewegung wieder etwas aus. Wer heute auf Tour ist, macht es ganz bestimmt nicht wegen dem Geld – sondern weil Windsurfen sein Leben ist – und die PWA Worldtour sein Kindheitstraum. Bei mir stand dies von Anfang an im Vordergrund – deshalb bin ich auch noch heute dabei. Ich habe wohl so lange auf der Tour überlebt, weil ich ein wirklicher Wettkampftyp bin. Und weil ich so viele gute Freunde im Windsurfen gefunden habe.

Hast du Vorbilder?
Nicht wirklich. Ich habe nie jemanden wirklich bewundert oder sogar verehrt. Das ist mir komplett unverständlich – auch wenn es um Popstars oder Ähnliches geht. Alles nur Menschen und oft ganz anders, als du sie dir vorstellst. Aber ich habe immer Personen respektiert für das, was sie können oder geleistet haben.

karin Jaggi.  Foto: Andy MettlerWie kam es dazu, dass du dich entschlossen hast, professionelle Windsurferin zu werden? Hattest du auch manchmal Bedenken?
Als Kind machte ich viele andere Sportarten, auch wettkampfmäßig. Erst mit 17 Jahren entdeckte ich das Windsurfen: Liebe auf den ersten Blick. Von da an wollte ich nichts Anderes mehr machen und mir war immer klar, ich möchte Windsurfen wettkampfmäßig betreiben. Ich habe nie an mir gezweifelt – ich habe gar nie daran gedacht, dass ich es nicht schaffen könnte. Alle anderen - vor allem die Schweizer Medien - allerdings schon. Schlussendlich habe ich es nur geschafft, weil mich Freunde unterstützt haben. 

Was sind die positiven Seiten am Beruf Profi-Windsurfer?
Positiv ist definitiv die Stimmung in der Szene. Man kann nur gemeinsam überleben und deshalb hält man zusammen. Windsurfen ist eine kleine Sportart ohne große finanzielle Mittel – für mich ist dies das Schöne daran: Windsurfer halten zusammen, leben zusammen für ihren Sport und helfen sich gegenseitig. Dazu kann ich hier 27 Weltmeistertitel sammeln und doch noch sozusagen unbekannt über die Straße gehen. Für mich persönlich ein großer Pluspunkt.

Karin Jaggi.  Foto: John CarterWas waren die größten Erlebnisse in deiner Laufbahn als Windsurferin?
Extreme Bedingungen: sehr viel Wind beim Speedrekordversuch in Südfrankreich oder riesige Wellen in Australien. Es ist das Naturerlebnis, welches Windsurfen so einzigartig macht. Und wenn die Natur aus den Fugen gerät, ist dies einfach beeindruckend.

Und was waren die größten Rückschläge, die du überwinden musstest?
Wie bei jedem Sportler – wenn es mal nicht mehr so läuft. Das kommt natürlich mit einer Unsicherheit, was man machen sollte und möchte... Der wirklich erfolgreiche Sportler zeichnet sich nicht durch errungene Medaillen aus, sondern durch die Überwindung von Niederlagen. 2003 und 2004 konnte ich keinen einzigen Weltmeistertitel erringen – damals hätte ich fast meine Karriere beendet – außer dass ich immer träumte auf dem Höhepunkt auszusteigen und nicht im Tief. So habe ich weitergemacht und bis heute zwölf weitere Weltmeistertitel errungen.

Von wem bekommst du am meisten Unterstützung?
Eigentlich bin ich ein Einzelkämpfer und glaube auch, dass ich es ganz alleine geschafft habe. Aber Freunde sind mir trotz allem wichtiger als alles Andere. Das hat nicht mit Leistung, sondern mit Lebensqualität zu tun. Patrik Diethelm ist zweifellos der wichtigste Mensch in meinem Leben.

Karin Jaggi.  Foto: Andy MettlerSchildere uns doch bitte einmal kurz deinen Windsurfalltag.
Einen Windsurfalltag gibt es nicht. Jeder Tag ist anders – das macht dieses Leben so schön! Im Allgemeinen bin ich aber ein Morgenmensch. Deshalb klingelt mein Wecker eher früh – nach 6 Uhr war er nie in den letzten paar Monaten. Dann kommt erst mal die „Büroarbeit“ – früher habe ich um die Zeit für die Uni gebüffelt (als meine Zimmergenossen alle noch schliefen). Heute kümmere ich mich um PWA Angelegenheiten, Medienarbeit und vor allem um F2. Ist es ein Wettkampftag, muss ich dann meistens so gegen 10 Uhr an den Strand – der Laptop kommt immer mit, weil es könnte ja kein Wind sein. Auch wenn kein Wettkampf ist, richtet sich der ganze Tagesablauf natürlich nach dem Wind: es gibt einfach kein besseres Training, als Windsurfen zu gehen. Erst wenn ein Tag keine Action bringt, denke ich an Ausgleichssport. Wellenreiten, Laufen, Radfahren oder auch nur Stretching stehen dann auf dem Programm. Abends verbringe ich dann meistens Zeit mit meinen Freunden.

Der Slalom-Weltmeistertitel 2008 ist dir wieder sicher. Wie bereitest du dich auf einen wichtigen Wettkampf
vor?

Kommt ganz auf die Disziplin an. Im Slalom geht es um die optimale Materialeinstellung und das Kennenlernen des Reviers. Jeder Spot ist anders und erfordert deshalb Anpassungen des Materials, aber auch des Fahrstils. Deshalb bin ich immer ganz gerne ein paar Tage vorher vor Ort. Am Wettkampftag selber ist für mich wichtig, dass alles perfekt organisiert ist. Ich bin eher früh am Strand, habe immer alles ready und gehe meist als erste aufs Wasser. Nur, wenn ich nicht gut vorbereitet bin, werde ich nervös. Wenn alles ready ist, bin ich ruhig, kann mich voll konzentrieren und suche dann etwas Distanz zu den Anderen vor dem eigentlichen Start. Ich bin nicht die, die herumhüpft, noch schnell was holen muss, bei den anderen schaut, welche Segelgröße sie fahren, etc. Ich teste meist kurz mein Material aus, entscheide mich für eine Wahl und bereite mich dann mental aufs Rennen vor, indem ich mir vorstelle, wie es gleich ablaufen wird.

Karin Jaggi.  Du bist ja nun schon einige Jahre im Profizirkus dabei. Hast du schon mal ans Aufhören gedacht?
Schon mehrmals. Wenn es schlecht lief, wenn es unendlich mühsam war, wenn wieder mal kein Wind war, etc. Schlussendlich gibt es aber kein schöneres Leben! Natürlich wird irgendwann mal Schluss sein mit dem Wettkampf – aber Windsurfen werde ich bestimmt bis an mein Lebensende!

Stell dir vor, du bist 50 Jahre alt. Wo siehst du dich dann?
Keine Ahnung! Ich möchte gar nicht so lange im Voraus was Fixes planen. Mein Ziel ist es einfach, immer eine Herausforderung zu haben und mein Leben weiterhin so frei leben zu können.

Du bist nun auch ins Management des Profisports eingestiegen durch dein Engagement bei der PWA. Welche Aufgaben hast du?
Ich bin als Fahrervertreter gewählt – von allen – aber natürlich vertrete ich da insbesondere die Frauen auf Tour.

Wenn du keine Profiwindsurferin wärst, welchen Beruf hättest du dann?
Wichtig für mich ist nur, dass ich selbständig wäre, egal in welcher Branche es eine Herausforderung ist und dass ich mich mit meinem Beruf identifizieren kann.

Wie sieht ein perfekter Tag aus im Leben von Karin Jaggi?
Schöne Windsurfbedingungen, mit einigen guten Freunden auf dem Wasser (alleine macht es nicht halb so viel Spaß!) und kein Internet oder Mobiltelefon-Empfang.

Zehn kurze Fragen an Karin Jaggi:

Purer Luxus heißt für dich... Zeit zu haben.

Männer verstehen Frauen nicht, weil… sie nicht wollen.

Dein Lieblingssurfspot ist… die Südküste von Australien.

Dein Glücksbringer ist… mein Freund.

Shopping findest du… mühsam.

Wenn du nicht surfst, machst du am liebsten… Zeit mit meinen Freunden verbringen.

Am liebsten würdest du leben in… auf dieser Erde.

Liebste Sportarten neben dem Windsurfen… Towinsurfen.

Deine Prinzipien sind… Ehrlichkeit und Toleranz.

Es ist nie zu spät, um… etwas dazu zu lernen.

Daten zu Karin Jaggi:
Geburtstag: 02. Dezember 1971
Geburtsort: Bern, Schweiz
Aktueller Wohnort: Schweiz/Australien/Gardasee
Disziplinen: Speed, Slalom, Wave
Windsurfen seit: 1989
Sponsoren: F2, North Sails, O’Neill, Choco Fins, SpinOut, TWB
Wichtigste Erfolge: 27-Weltmeistertitel, Speed Weltrekord 2005
www.karinjaggi.com

veröffentlicht am 29.09.2008

Der Surf Worldcup auf Sylt ist eröffnet.  Foto: Michael Kunkel, HOCH ZWEI
Surf

Surf Worldcup auf Sylt gestartet

Das Weltmeisterschaftsfinale im Windsurfen ist auf Westerland gestartet - wenn auch nur für eine Stunde. Damit ist der Surf World Cup Sylt 2008 eröffnet.

Weltmeisterliche Windsurfer auf Sylt.  Foto: Michael Kunkel, HOCH ZWEI
Surf

Surf World Cup auf Sylt: Flaute am Sonntag

Unregelmäßiger Wind bremste die Slalom 42-Spezialisten am zweiten Wettkampftag des Surf World Cups auf Sylt immer wieder aus. Eine harte Geduldsprobe für die Aktiven, bis die Rennleitung alle Wettfahrten für den Sonntag absagte.

Surf

Windsurf Videos

Auf dieser Seite präsentieren wir Euch Videoclips von vergangenen Windsurf-Veranstaltungen, Previews und Trailer und jede Menge andere Videos mehr - das alles natürlich kostenlos.

 

Schon gesehen? :
Aus unserem Shop: und vieles mehr...

Funsport auf Pinterest

Die krassesten MTB Crashes

Surf Specials

Surf News
Aktuelle Berichte und News vom Wellenreiten

Surf Videos
Surf Videos und Clips

Surf RSS Feed
Immer auf dem Laufenden!

Newsletter
Bestellen/Abbestellen...

Surfurlaub - Surfcamps
Buche jetzt Deine nächste Surfreise!

Content End
 
 
 
Newsletter Eintragen - Werben - Impressum - Kontakt - Partner - Sitemap - Datenschutz