„Solange man nicht auf Haie fällt, passiert nichts”
Björn Dunkerbeck spricht im Interview mit funsporting.com über seine olympischen Ambitionen, über seine Erfahrungen mit dem Älterwerden und den Wandel des Windsurfens in den letzten 20 Jahren.
Herr Dunkerbeck, Sie sind mit 35 Weltmeistertiteln der erfolgreichste aktive Profi-Sportler der Welt. Ist das für Sie nur eine Statistik oder macht Sie das stolz?
Das zeigt auf jeden Fall, dass ich seit Jahren sehr erfolgreich bin. Aber am allerwichtigsten ist immer noch, dass es auch unglaublichen Spaß macht. Und den werde ich sicher noch einige Jahre haben.
Sie waren 1985 das erste Mal auf Sylt dabei. Was ist das Besondere?
Es ist ein großer, guter Event mit viel Publikum. Im Unterschied zu anderen Veranstaltungen, bei denen hundert Leute am Strand stehen, schauen auf Sylt über Hunderttausend zu. Wenn ich dort auf dem Wasser bin, bekomme ich die Begeisterung voll mit. Die Wind-Bedingungen auf Sylt empfinde ich als sehr herausfordernd. An einem Tag kann der Wind zwischen null und acht Windstärken variieren.
Eine olympische Medaille fehlt Ihnen noch. Spielen die Olympischen Spiele 2008 in Peking in Ihren Planungen eine Rolle?
Bis vor einiger Zeit eigentlich schon. Aber es ist wohl so, dass der Wind dort immer relativ schwach ist. Und da habe ich mit meinen hundert Kilogramm Gewicht eigentlich kaum Medaillenchancen.
Sie sind nicht mehr der Jüngste. Meldet sich Ihr Körper zu Wort?
Ab und zu fühle ich mich schon etwas lätschig. Wenn man zwei, drei Tage in Folge fünf Stunden surft, braucht man seine Zeit, um zu regenerieren. Dementsprechend denke ich jetzt mehr mit, wenn ich einen Contest fahre, gebe nicht immer nur Vollgas. Der Colgate World Cup Sylt dauert zum Beispiel zehn Tage, da muss man natürlich aufpassen, dass man auch die ganze Zeit fit bleibt. Da hilft mir meine Erfahrung aber sehr weiter.
In diesem Punkt haben Sie allen Konkurrenten viel voraus.
Ja, aber im Freestyle-Bereich zum Beispiel habe ich eigentlich gar keine Chance mehr. Da sind die meisten guten Fahrer um die zwanzig Jahre alt. Beim Slalom hingegen braucht man mehr Körpergewicht und Wassererfahrung. Deshalb sehen die Jungen da eigentlich überhaupt kein Land.
Wie hat sich Windsurfen in den vergangenen zwanzig Jahren gewandelt?
Früher gab es sechs große Events im Jahr und jeder Fahrer hat alle Disziplinen mitgemacht, heute spezialisiert sich jeder. Windsurfen bleibt die Mutter aller Funsportarten. Jetzt gehen die Leute Mountainbiken, Snowboarden oder Kiten. Diese Einstellung zu Funsportarten wurde vom Windsurfen stark beeinflusst.
Für ein Projekt mit befreundeten Surfern reisen Sie weit und suchen einzigartige Strände. Wo ist der beste Surfer-Strand der Welt?
Dieses Projekt ist ein Glücksfall für mich. Denn es ist einfach eine große Herausforderung, dahin zu fahren, wo noch keiner war, ins Niemandsland. Aber es ist schwierig vom schönsten Spot zu sprechen. Zu den konstantesten gehören für mich die Kanarischen Inseln. Das hat aber auch ganz pragmatische Gründe. Um in besondere Reviere, wie das an der nordostaustralischen Küste zu kommen, brauche ich zwei, drei Tage. Das ist natürlich super, wenn man da dann auch länger ist, aber das geht eben nicht immer.
Welche Tierbegegnungen waren dabei besonders beeindruckend?
Ich habe schon sehr viele Haie gesehen. Wenn ich viele sage, dann meine ich mehr als hundert. So lange man nicht drauf fällt, passiert aber eigentlich nichts. Besonders schön waren die Erlebnisse mit Walen vor Hawaii. Allerdings ist das Problem, dass die einen oft gar nicht richtig sehen. Wenn die aus dem Wasser und auf dich springen, bist du platt. Bisher hatte ich immer Glück, aber da steigt der Adrenalinspiegel schon ganz schön an. Und so ein Wal riecht übrigens verdammt fischig.
Was sagt denn Ihre Familie dazu, dass Sie immer noch nicht vom Wettkampfsport lassen können?
Zu vielen Spots kommen meine Kinder auch mit. Nach Hawaii zum Beispiel oder zum Colgate World Cup Sylt. Das ist schön für sie, denn so sehen sie etwas von der Welt.
Werden die vielleicht auch Windsurfer?
Fürs Windsurfen sind sie ja noch zu jung, Alba ist drei und Liam zwei Jahre alt. Aber natürlich habe ich die schon mal aufs Brett gesetzt. Und dann sind sie nur sehr schwierig wieder aus dem Wasser rauszukriegen. Ich denke, dass sie es bald mal probieren werden.
Vielen Dank für das Gespräch!
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