Snowkiten und Heliboarden am Ende Sibirien:

Pedro May berichtet für funsporting.com von einem ganz besonderen Abenteuer: Heliboarden und Snowkiten am Fuße von aktiven Vulkanen - auf einer Halbinsel am Rande Sibiriens. Durch meterhohen Schnee und Orkane kämpfte er sich bis an den magischen Ort voran, wo schwarze Asche auf weißen Schnee rieselt.

 Wir veröffentlichen das spannende Tagebuch dieser Reise bis ans Ende der Welt:

Moskau 2003: Erster Eindruck vom Militärsperrbezirk Kamtschatka

Russische Freunde stellen mir den Chefredakteur der deutschsprachigen Zeitung in Moskau vor. Stolz zeigt er mir seine neueste Auflage mit unterbelichteten Fotos vom Ende Sibieriens. Ich antworte mit einem langem Schweigen.

Meine Denkmaschine beginnt zu arbeiten, mein Pulschlag steigt. Alles, was ich erkennen kann, reicht für einen neuen Traum. Knapp 5000 m hohe Vulkane, aktive Krater speien schwarze Asche auf weißen Schnee der bis zum Pazifikstrand reicht. Weitere Aufnahmen zeigen große Ebenen mit heftigen Schneeverwehungen auf denen mächtige Helikopter parken. Panzer und Kettenmobile dienen als öffentliche Verkehrsmittel auf einer Halbinsel die geologisch gesehen auf dem Stand von vor Millionen von Jahren ist. In wenigen Sekunden kombiniere ich: Heliboarden, Skitouren und Snowkiten in Kamtschatka. Das Abenteuer beginnt.


Ende März 2005, Airport München: Check In

Beim Check In ist das Kürzel für den Zielflughafen Petropavlovsk-Kamtschatski gänzlich unbekannt. Ein Aeroflotbediensteter wälzt ein dickes Buch und findet letztendlich den Zielort auf einer großen Russlandkarte. „Fliegen Sie da freiwillig hin, sind sie Geologe oder Journalist?“, fragt mich dieser. Mit einem Lächeln hieve ich mein 50 kg Sportgepäck auf das Fließband. Beim öffnen des Gepäckstückes versteht er sehr schnell was ich nach 13 Flugstunden, 11 Zeitzonen ostwärts an der Packeisgrenze vorhabe: Fotografieren und Heli-Snowkiten bis mir die Asche der aktiven Vulkane bei den Ohren rausstaubt. 


Airport Moskau, 2 Zeitzonen ostwärts: Schneestürme verhindern den Abflug

Der Transfer vom internationalen zum nationalen Flughafen in Moskau beinhaltet 8 Security-Checks, eine Handvoll Stempel und Formulare zum Ausfüllen in russischer Schrift. Beim erneuten Checkin am 20 Minuten entfernten nationalen Flughafen entschuldige ich mich dafür, das ich mein Sportgepäck nicht angemeldet hab. Eine Dame mit dick aufgetragenem rotem Lippenstift beruhigt mich: „Auf diesem Flug werden Waren erst ab 500 kg angemeldet!“

Dann beginnt das lange Warten. Der Anschlussflug Moskau – Petropavlovsk wird 2 Mal verschoben. Nach 5 Stunden rumhängen, verkünden schließlich klirrende Lautsprecher den Grund: 3 Meter Schnee auf der Landebahn in Petropavlowsk-Kamtchatski. In der aus allen Nähten platzenden Wartehalle lerne ich ein amerikanisches Fernsehteam kennen. Es erzählt mir, dass sie schon seit 3 Tagen auf Abflug warten. Zweimal seien sie schon in der Luft gewesen und dann nach 1 Stunde Flugzeit umgekehrt. Eine Frau erzählt von Schneetunnels, die sich die Menschen im Kamtschatka graben, um nach unten an ihre Haustüre zu gelangen. Andere Gäste erwägen auch die Möglichkeit eines Erdbebens. Keiner weiß was Konkretes.


Letztendlich werden wir noch in der gleichen Nacht von Aeroflot in Mehrbettzimmern in einem abgeranzten Airporthotel untergebracht. Mit zwei älteren russischen Herren aus Kamtschatka auf dem Zimmer beginnen russische Klischees zu blühen. Bei zwei Flaschen Vodka katapultieren meine Russisch-Kenntnisse in unbekannte Sphären. Vor allem lerne ich gleich die wichtigsten Vokabeln: 3 Begriffe für unterschiedliche Schneearten und 4 jeweils für Lachs und Kaviar. Lachend beginnen wir pünktlich mit dem letzten Tropfen Vodka unsere wohlverdiente Nachtruhe.


Am folgenden Tag, 9 Stunden Flug über Sibirien:
Der Fahrstuhl und das Flugzeug sind das sicherste Verkehrsmittel

Mein Sitznachbar stellt sich sofort per Vorname vor. Er ist Pilot bei der russischen Luftwaffe und in Kamtschatka stationiert. In die 9 Flugstunden entfernte Hauptstadt Moskau musste er nur mal schnell, um seine Flugerlaubnis neu abstempeln zu lassen. Als ich mit ihm mit einem Glas georgischem Wein anstoßen möchte, stellt sich heraus, dass er Moslem ist und keinen Alkohol trinkt. Allah stehe ihm jetzt ganz nahe, sonst säßen wir nicht einer Illyushin 96, sondern womöglich in einer Tupulev und müssten mehrere Male zwischenlanden, um zu tanken. Solch eine Tupulev ist nämlich gerade wieder letzte Woche in Nordsibieren abgestürzt. Der Langstreckenjet Illyushin 96 wird immer dann durch eine uralte Tupulev ersetzt, wenn der Flieger, in dem wir gerade sitzen wegen Reparaturen nicht einsatzfähig ist. Er wisse das ganz genau, denn er ist diese Strecke schon sehr oft geflogen. Meine seelische Stütze ist das Internet. Darin hab ich gelesen, dass der Fahrstuhl und das Flugzeug das sicherste Verkehrsmitteln sind.

Beim Flug über Nordsibirien sehe ich unzählige zugefrorene Flüsse, die sich durchs verschneite, teils bergige Land ziehen. „Unter uns liegt Norilsk, wolkenfrei im Sonnenschein, Minus 40 Grad, noch 7 Stunden bis Kamtschatka“, meldet der Pilot.

Petropawlowsk meldet sich durch dicke, sich sehr schnell bewegende Wolkenfelder an. Das erste Mal spricht eine Stewardess ins Mikrofon. Sehr schnell, hastig und nur in Russisch. Die Message ist eindeutig. Kein Passagier schläft mehr, alle schweigen, alle ziehen sich ihren Gurt so fest es nur geht. Etwas Bedrohliches liegt in der Luft. Ich denke immer wieder an den Fahrstuhl und an das Flugzeug, welche das sicherste Verkehrsmittel sein sollen.

Es macht den Eindruck als wüsste jeder, was jetzt kommt. Warteschleifen drehen bis sich der Orkan beruhigt oder umdrehen. Mein Sitznachbar, der Luftwaffenpilot, erklärt mir, dass wir maximal 1 Stunde über Petropawlowsk kreisen können, dann reicht das restliche Kerosin gerade noch um im 2 Stunden entfernten Sachalinsk zwischen zu landen.

Wir sparen uns dieses Prozedere und fallen von heftigsten Turbulenzen geschüttelt an riesigen Eisschollen vorbei auf das vereiste Flugfeld von Petropawlowsk-Kamtschatski. Meterhohe Schneewände bis dicht unter die Flugzeugflügel drohen regelrecht die Triebwerke von den Flügeln zu reißen. Während wir über die Landebahn zum Terminal laufen, räumen fleißige Hände einen Schneekanal als Ausgang frei.
 
Tag 1, Petropawlowsk Kamtschatski: Snowkiten

 Mit einem breiten Lächeln erwartet mich mein Fahrer. „Du hast riesiges Glück, wir haben den schneereichsten Winter seit 50 Jahren“, kommentiert er, während wir im Auto aufs Gepäck warten. Noch während der Fahrt zu meiner angeblich erdbebensicheren Wohnung, in der eine Handvoll schneesüchtiger Kumpels aus Tschechien und Canada warten, beginnt die Planung für die kommenden zwei Wochen. Begriffe wie Lachs, Kaviar, Vulkan, Snowboard, Helikopter und Kite fallen. Das russische Wort für Kite kennen wir beide nicht. So liegt die Lösung für den Wortnotstand in einem Foto, das ich aus der Tasche ziehe. Es dauert eine ganze Weile bis ich meinen Fahrer Genia erkläre, was ich zum Kiten brauche: Wind und weite Ebenen.

Plötzlich biegt er nach Osten Richtung Pazifikstrand ab. Der Weg wird immer enger, die Schneedecke immer Höher. 8 Meter tiefe Gräben schneiden vor uns mehrere Schneefräsen, mit Stahlseilen an einander gebunden, Richtung Strand. Die eigentliche Straße finden die Maschinenführer per Satellitennavigation (GPS).

Vom Meeresrauschen angezogen, bringt warmer Wind (- 5 Grad) kräftigen Druck für fette Jumps am verschneiten Pazifikstrand. Kapitale Seelöwen surfen in fast clean laufenden 3 Meter hohen Wellen und begutachten das Kitespektakel aus sicherer Distanz. Im Norden übergeben sich mächtige Vulkane mit dampfender Lava. Kamtschatka pur!

veröffentlicht am 12.04.2007
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