Martin Fiala und das Projekt Hornbachkette: Zweite Line
Freerider Martin Fiala startete das Projekt Freeride Hornbachkette. Mit einem ordentlichen Kater aber auch viel gutem Willen nahm er sich bei der zweiten Line mit seinem Fotograph Toni Brey das Noppenkar vor.
Der Januar war durchwachsen. Nach dem super Auftakt am 1. Januar bin ich sofort nach St. Johann gefahren, wo ich für die FIS eine Woche beim Ski Cross Weltcup im Einsatz war. Zu Hause angekommen gingen leider der Regen und die Wärmeperiode los, dieser Spuk dauerte fast eine Woche.
Danach war ich voll in der Vorbereitung des Ski Cross Weltcups in Grasgehren involviert. Es war nicht so leicht, die
Neuschneetage mit dem Räumen des Schnees aus dem Kurs in Grasgehren zu verbringen. Der Erfolg der Veranstaltung war jedoch überwältigend und damit hat sich rückblickend unter dem Strich alles gelohnt.
Nachdem ich den Kater am Sonntag auskuriert hatte, war ich nicht mehr zu halten. Toni Brey hatte auch Lust und frei und wir machten uns wieder auf in die Hornbachkette. Die Lawinenlage war recht vernünftig, die Expositionen Nordwest bis Ost galt es aber mit Vorsicht zu genießen.
Ich entschied mich für das Noppenkar. Einerseits interessierte mich der Aufstieg von Köglen und andererseits hoffte ich insgeheim, dass die wunderbaren Rinnen und Osthänge zwischen Söllerkopf und Kreuzkarspitze doch sicherer sein könnten, als die Lawinenlage berschrieb. Um 5 Uhr ging der Wecker, um 6 Uhr traf ich mich mit Toni in Weissenbach.
Der Aufstieg von Köglen ist der einziger Zustieg zu der Hornbachkette, den ich ich bis jetzt nicht erkundet habe. Leider machte die Dunkelheit die Orientierung und das Auffinden des Einstiegs auch nicht leichter. Nach kurzer erfolgloser Suche des Einstiegs in Köglen entschieden wir gezwungenermaßen, durch das Haglertal aufzusteigen.
Der Aufstieg durch das Haglertal war angenehm. Nach 1.000 Höhenmetern standen wir vor dem Luxnacher Sattel 2.093 Meter. Die Exposition des Aufstiegshanges in den Sattel ist Nordost bis Ost. Von unten konnten wir die Windverfrachtungen sehen, mit vernünftiger Spurwahl schien es uns jedoch machbar und im grünen Bereich.
Ich wußte, dass unter dem Felsriegel ein zwei Meter breites Band liegt, das einen Durchstieg zum Sattel im steilsten Bereich sicher ermöglichen würde. Der direkte Zustieg war voll eingeweht, die Wechte lachte uns von unten mahnend an. Toni ließ einen guten Abstand.
Ich setzte die letzte Kehre an, ging fünf Meter, weitere vier Meter trennten mich noch vom Felsriegel. Genau in diesem Augenblick krachte es, ein ungefähr zehn Zentimeter breiter Riss über eine Länge von fünf Metern und 30 Zentimeter Tiefe öffnete sich zwischen meinen Beinen. Mein Adrenalinspiegel lag über meinem Kopf.
Ich machte die nächsten Schritte zum Felsriegel wie auf Watte, stand nun mit 180 Puls auf dem festen Boden. Toni kam sehr vorsichtig nach. Die folgende Querung in das Noppenkar aus dem Luxnacher Sattel verlief in der westlichen Exposition in einem 35 bis 40 Grad Gelände. Es hatte einen sehr harten Firn, mit Fellen auf den Skiern war es nicht machbar.
Wir zogen daher die Ski aus und querten das felsdurchsetzte Gelände zu Fuß. Nach weiteren 30 Minuten konnten wir die Ski anziehen und den Rest in das Noppenkar abfahren. Nun hieß es die Felle wieder aufziehen, wir steuerten die Mitte vom Noppenkar an, um dort zu entscheiden, ob in der östlichen Exposition was machbar war - einladend sah es allemal aus. Bei näherem Hinsehen mussten wir uns jedoch eingestehen, dass die Osthänge vom südlichen Ausläufer der Kreuzkarspitze leider wie angekündigt eingeweht waren.
An einen Durchstieg war nicht zu denken und einen weiteren Adrenalinstoß wollte ich mir zumindest an diesem Tag nicht unbedingt noch einmal bescheren. Wir entschieden uns letztendlich für die Scharte und den Südhang zwischen der Kreuzkarspitze und der Noppenspitze.
Nach dem mühsamen Aufstieg, ich spürte die Ski Cross Feier doch heftiger in den Knochen, folgte eine traumhafte
1.200 Höhenmeter Abfahrt mit feinsten Hängen. Einfach genial und jeden Höhenmeter mehr als wert.
Die letzten 300 Höhenmeter entlang des Schneidbachs durften wir zwar wegen des fehlenden Schnees tragen, konnten dafür aber nach fast neun Stunden Tour auch den ersten Durst stillen. Zwei Tourengeher aus der Pfrontener Gegend waren so nett, uns aus Köglen nach Häselgehr mitzunehmen.
Was für ein Tag!
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