FIS Weltcup: Amelie Kober gewinnt Parallel Riesenslalom
Im wohl spannendsten Saisonfinale der Geschichte des FIS Weltcups sind die letzten Entscheidungen gefallen. In einem Herzschlagfinale holte Amelie Kober in Valmalenco dank ihres vierten Saisonsieges in Folge den Parallel Weltcup-Titel.
Im Finale der Damen verwies die 21-jährige Deutsche Carolin Calve aus Kanada auf den zweiten Platz. Als Dritte verpasste Doris Günther (AUT) zwar den Parallel Weltcup, konnte aber dennoch über die große Kristallkugel für den Gesamt Weltcup jubeln. Der Tagessieg bei den Männern ging an Jasey-Jay Anderson (CAN), der wie schon in La Molina eine Woche zuvor im Finale Benjamin Karl (AUT) bezwingen konnte. Dritter wurde Siegfried Grabner, der sich damit den Parallel und Gesamt Weltcup-Titel sicherte.
In allen drei Entscheidungen um die Kristallkugel ging es dabei denkbar knapp zu. Denn vor dem abschließenden Parallel Riesenslalom trennten die bis dato Führende im Parallel Weltcup Doris Günther und Amelie Kober gerade einmal 232 Punkte. Als die Deutsche ihre Konkurrentin um den Titel dann im direkten Halbfinal-Duell hinter sich gelassen hatte, musste die Österreicherin Dritte werden, um noch Chancen auf die Kristallkugel zu haben.
Allerdings würde der dritte Platz nichts nutzten, sollte die Deutsche erneut gewinnen. Im kleinen Finale bewies Günther dann Nervenstärke, indem sie ihre Patzer und die dafür erhaltene Penaltytime aus dem ersten Run gegen ihre Teamkollegin Claudia Riegler aufholte und als Erste über die Ziellinie ging. Somit hatte Kober im Finale das Heft selbst in der Hand: „Ich wollte eigentlich nicht wissen, wie der Kampf um Platz drei ausgegangen ist. Dann hat man mir aber gesagt, dass Doris (Günther) gewonnen hat. Also musste ich gewinnen.“
Mit dieser Gewissheit zeigte die Miesbacherin dann das erste Mal an diesem Tag Unsicherheiten und verspielte zunächst die Führung auf Caroline Calve aus Run eins von 24 Hundertstel, profitierte am Ende aber auch von Fehlern ihrer Gegnerin. Im letzten Drittel des „Barchi“-Kurses hatte sich der Motorradfan dann aber wieder gefangen und fuhr souverän zum fünften Saisonsieg und damit auch zum ersten Parallel Weltcup-Titel für Deutschland. „Ich kann das noch gar nicht glauben. Die Anspannung war die ganze Zeit so hoch. Ich habe ja die letzten Tage permanent daran gedacht und gerechnet. Ich war so nervös, habe heute so gezittert, aber es hat geklappt“, so die überglückliche Siegerin des heutigen Rennens und dominierende Fahrerin der zweiten Saisonhälfte.
Dem ersten Abschnitt der Saison hatte zuvor Doris Günther ihren Stempel aufgedrückt, die am Ende mit 6.070 Punkten nur 162 Punkte hinter Kober (6.232) Zweite im Weltcup wurde. „Ich bin aber nicht enttäuscht. Ich habe ja zuletzt gemerkt, dass ich körperlich nicht mehr so fit bin. Ich habe heute zwar noch einmal alles herausgeholt, konnte aber Amelie (Kober) im Halbfinale nichts entgegensetzen. Sie war einfach zu stark.“ Zudem konnte sich die 30-Jährige aus Zell am See mit dem Sieg im Gesamt Weltcup trösten: „Das ist schon eine super Entschädigung. Außerdem haben wir heute eine echt gute Show geboten.“
Einen großen Anteil an dieser Show hatten aber auch die Männer. Hier stand vor allem Siegfried Grabner im Mittelpunkt, der heute Neunter werden musste, um den Parallel Weltcup zum zweiten Mal für sich zu entscheiden und Dritter, um auch den Gesamt Weltcup-Titel mit nach Hause zu nehmen. Nach Erreichen des Viertelfinales war klar, dass die kleine Kristallkugel Grabner nicht mehr zu nehmen war, für den großen Titel musste er aber dann richtig zittern und kämpfen.
Denn im Halbfinale gegen den späteren Tagessieger Anderson verpasste der Österreicher den Finaleinzug in der denkbar knappsten Möglichkeit. Nachdem er drei Hundertstel Vorsprung aus dem ersten Lauf mitgenommen hatte, überquerte Grabner die Ziellinie im zweiten Run zeitgleich mit dem Kanadier, der als Zeit aufholender Boarder, ins große Finale aufstieg. „Da habe ich nur gedacht ‚Oje oje‘! Man kann sich auf nichts verlassen und muss jeden Punkt selbst machen. Zum Glück sind mir danach die besten Läufe des Tages gelungen“, so der strahlende Doppel-Titelträger von 2009. „Das ist der Hit, das war ein absolut heißes Rennen. Letzte Saison habe ich mich selbst nicht wiedererkannt. Aber dieses Jahr habe ich mich den ganzen Winter über super gefühlt. Ich wollte einen drauf legen und das ist mir gelungen. Darauf bin ich stolz.“
In der Stunde des Triumphes vergaß er aber nicht seinen Landsmann Markus Schairer, den er aufgrund seiner heutigen 600 Punkte noch im Gesamt Weltcup-Ranking abgefangen hatte. Am Ende einer mehr als sechs Monate andauernden Saison hatte Grabner mit 5.520 Punkten nur 70 Punkte mehr als Schairer (5.450) gesammelt. „Deswegen gehört die große Kristallkugel auch zur Hälfte dem Maxl (Schairer). Vor allem weil er aufgrund seiner OP im letzten Snowboard Cross nicht starten konnte.“
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