Teil 3 zum Jakobsweglauf von Mario Fedoran
Doch kurz vor Astorga kam es dann zum Unglück. Auf der Strasse rutschte ich mit meinem linken Fuß in einen Graben und verletzte mich. Das Gelenk schwoll sofort an und mir blieb nichts übrig, als mich die restlichen sieben Kilometer bis nach Astorga in die nächste Pilgerherberge zu schleppen. Als die Dame anhand durch meinen Pilgerausweis nach verfolgen konnte, dass ich in einer sehr kurzen Zeit schon eine relative große Strecke zurückgelegt hatte, sagte sie mir auf Englisch, dass ich verrückt sei. Ich tat einfach so, als würde ich sie nicht verstehen und fragte nach einer Apotheke und einem Arzt, der mir weiterhelfen könnte.
Nachdem mir dieser eine Massage und Medikamente verschrieben hatte, hielt er es für mich am besten, ein Teilstück des Jakobsweges mit dem Zug zu fahren, wenn ich in meiner gegebenen Zeit am Pilgerziel in Santiago de Compostella ankommen wolle. Ich wollte nichts riskieren, folgte seinem Ratschlag und fuhr die Strecke bis nach Sarria mit dem Bus und dem Zug. Dort angekommen ging es meinem Fuß schon etwas besser und nachdem ich mir eine Pilgerherberge gesucht hatte, gönnte ich meinen Füßen bis zum nächsten Morgen, an dem ich wieder laufen wollte, noch ein wenig Erholung.
Es waren noch 120 Kilometer bis nach Santiago und obwohl ich noch Schmerzen hatte, musste ich mich nicht antreiben zu gehen. Der Weg tat das für mich. Als ich schließlich zwei Tage später in Santiago ankam, war das erste was ich sah eine unglaubliche Menge von Pilgern mit ihren Rucksäcken auf dem Rücken. Die Stadt schien nur aus Pilgern zu bestehen. Ich kämpfte mich die von Pilgern aus der ganzen Welt belaufenen Gassen hoch in Richtung Kathedrale. Am Platz vor ihr angekommen überwältigten mich meine Gefühle und ich musste an das Buch von Hape Kerkeling denken, in dem er sagte, der Weg würde jeden irgendwann auf dem Weg zum weinen bringen. Nun war ich an der Reihe. Ich stand vor diesem riesigen Gebäude auf dem Platz voller Menschen und weinte wie ein kleines Kind. Tausende Gedanken gingen mir durch dem kopf. Doch mein ganzer Schmerz, mein ganzer Kummer und auch die Last des Rucksacks spürte ich in diesem Moment nicht mehr. Es kam mir vor wie eine Art Wiedergeburt und fühlte mich überglücklich. Nicht nur weil ich von über 750 Kilometern mehr als 680 Kilometer gelaufen bin und endlich im Ziel war, nein, es waren auch andere Gründe. Viele hielten mich für einen Versager - vor allem die Familie meiner Exfreundin - und ich war fast selber so weit daran zu glauben. Jetzt wusste ich, dass ich keiner bin.
Auf dem Weg begegnete ich Menschen, die ich nie vergessen werde und sah Landschaftsbilder, die sich fest in meine Erinnerung gebrannt haben. Ich lernte so viel über mich. Ich war ein Fremder in diesem Land doch zu keinem Zeitpunkt hat mich dies jemand spüren lassen. Ich begegnete so viel Toleranz auf dem Weg, so viel Liebe und Respekt. Ich wusste nun, dass im Leben so viel möglich ist und dass man so viel erreichen kann, wenn man fest daran glaubt, wenn man sich nicht beirren lässt und vor allem wenn man an einer Sache bleibt. Für mich waren die Minuten auf dem Platz vor der Kathedrale ein Genuß, denn in diesen Momenten feierte ich für mich persönlich meinen größten Sieg.
Ich habe in diesem Jahr noch einige Halbmarathons vor mir und weiter Projekte dieser Art. Den jetzigen Sponsoren möchte ich für ihr Vertrauen und dass sie mir dies Reise ermöglicht haben danken und das sie an mich glaubten und dies möglich machten.
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