Wenger Patagonian Expedition Race 2010: Teil 2

Wenger Patagonian Expedition Race 2010.  Foto: W. GrayDer Nahrungsmittelbedarf variiert stark je nach Art des Rennens. „Auf langen Rennen schreit der Körper nach herzhaftem, proteinreichem Essen. Auf Kürzeren hingegen fällt die Wahl oft auf persönliche Vorlieben und schnelle Kohlenhydrate. Tabletten waren uns bei der Elektrolytzufuhr hilfreich. Bei kurzen Rennen ist das wohl noch mehr der Fall.“,erläutert Macleod. 

Wenn unter gnadenlosen Bedingungen auch noch die Essenvorräte ausgehen oder eine Verletzung das Fortkommen erschwert, dann findet der eigentliche Kampf nicht mit der Natur, sondern im eigenen Kopf statt. In diesem Jahr in Patagonien zwang eine Verletzung Team Nord Water sein Tempo auf der bereits unsäglich langen Überquerung der Darwin Kordilleren zu drosseln.

Teammitglied Noora Pinola erinnert sich: „Es war psychisch so hart, weil wir nur Essen für drei Tage eingepackt hatten. Doch die Verletzung bremste uns, sodass es länger dauerte als erwartet. Es war schwierig, nicht zu glauben, wir würden für immer da draußen bleiben müssen, und einfach weiter zu machen. “

Während manche Ausdauerrennen Einzelwettkämpfe sind, messen sich bei anderen nicht Individuen, sondern Teams. Die Herangehensweise könnte unterschiedlicher nicht sein. Teamwork, wenn es darum geht, einem kraftlosen Mitläufer Gewicht abzunehmen oder eine Navigationsentscheidung zu akzeptieren, wenn Müdigkeit klare Gedankengänge schon lange vernebelt hat, ist in Patagonien ein unverzichtbarer Bestandteil des Rennens.

Der Doppelsieger von 2009 und 2010 Helly Hansen-Prunesco hat sein Teamwork stetig perfektioniert. „Auch wenn wir uns nicht einig sind, können wir darüber nur lachen. Das ist eines unser Geheimnisse. Jeder hat andere Stärken und so haben wir einen guten Mix. Einige können viel Gewicht schleppen und beschweren sich nicht und manche mögen es, die anderen herumzukommandieren.“, erklärt Macleod.

Es kommt der unvermeidbare Moment, wo der Körper sich weigert, weiter zu machen. Ob auf einem mehrtägigen Fahrradabschnitt oder einem energieintensiven Zwischensprint, es ist hart, die vom Körper gesetzten Grenzen zu überwinden. Oft hilft nur, sich auf kleinere Ziele und nicht auf das große Ganze zu fixieren. Bei Rennen wie dem Wenger Patagonian Expedition Race hilft außerdem ein Blick auf die atemberaubende Landschaft, in der sich die Athleten befinden, dabei, den inneren Schweinehund in seine Schranken zu weisen.

Jasson Magness vom Team Gear Junkie konnte bisher alle 67 Abenteuerrennen, bei denen er angetreten ist, auch beenden und erklärt seine Erfolgsquote folgendermaßen: „Hauptsächlich, weil ich mich mit Leuten umgebe, die nie aufgeben würden. Wenn nur einer meiner Teamkollegen sagt Ich kann nicht mehr, dann ist es für alle vorbei. Jeder meint, er wird nicht aufgeben, aber das hält natürlich nicht immer und daher lautet meine goldene Regel: Auch wenn ich mich nach nichts mehr als einer Aufgabe sehne, muss ich 24 Stunden warten und während der gesamten 24 Stunden die Aufgabe wollen. Wenn ich jedoch wieder Spaß finde, wird die Uhr zurückgestellt.“

Dieses Rennen, das von vielen Topathleten als größte Herausforderung eines jeden Ausdauersportlers bezeichnet wird, führt seine Teilnehmer durch die abgelegene wie atemberaubend schöne Wildnis am südlichen Ende der Welt.
Die Mischung aus Mountainbiking, Trekking, Kajaken und Abseilen garantiert permanente Abwechslung auf der brutalen non-stop Strecke.

Angesichts des rauen Terrains und des wilden, unberechenbaren Klimas können Dinge schnell extrem werden – egal wie spektakulär die Kulisse. In einem spannenden Wettkampf bewältigten die Athleten 2010, dem Jahr von Chiles zweihundertsten Jahrestag, einen 550 Kilometer langen Kurs durch den chilenischen Teil Feuerlands entlang der legendären Erkundungsrouten von Magellan und Co.

Erstes deutsches Team beim Wengener Patagonian Expedition Race 2010. Foto: VeranstalterBeginnend im mit Estancias gespickten Flachland des Nordens, zog sich das Rennen über sanfte Hügellandschaften hin, bis in die eindrucksvollen und unerforschten Pässe der Darwin Kordilleren im Süden der Insel, bevor er schließlich seinen Höhepunkt im berüchtigten Beagle Kanal fand.

Jedes Jahr stellen Terrain und Klima die Athleten vor eine ultimative Herausforderung, bei der sie eisige Gletscherflüsse schwimmend durchqueren, sich mit den hohen Wellen des Südpazifiks im Kajak messen müssen oder von den berüchtigten Sturmböen buchstäblich aus dem Sattel ihres Mountainbikes geblasen werden. Auf den Trekking-Abschnitten, welche die Teams oft für mehrere Tage am Stück in die Wildnis schicken, stellen Torfmoore, die Menschen wie Treibsand verschlucken können, wie auch dichtes Buschwerk, das Kleidung und Haut zerfetzt die Wettstreiter in der einsamen Wildnis Patagoniens vor fast unlösbare Aufgaben.

„Das hier ist das absolute Ultimum,“ bestätigt Bruce Duncan, einer der diesjährigen Sieger aus England. „Wilder und abgelegener geht es nicht. Wir alle hatten Halluzinationen, waren todmüde, haben uns gestritten, aber es schlussendlich doch geschafft. All diese Fähigkeiten vereint in einem Rennen, Rücken an Rücken, non-stop, es gibt wirklich nichts Härteres!“

So groß die Herausforderung sein mag, auch 2011 werden die maximal 15 Startplätze wieder schnell vergeben sein. „Die Landschaft zieht Dich einfach zurück“, sagt Duncan. „Manchmal ist es brutal und die Bedingungen gnadenlos, aber es lohnt sich, all das in Kauf zu nehmen, denn diese Gegend ist einfach überwältigend!“

veröffentlicht am 31.05.2010

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