Patagonian Expedition Race 2010: Der harte Weg des deutschen Teams
2010 nahm zum ersten Mal ein deutsches Team am Wenger Patagonian Expedition Race in Chile teil. Hier erfahrt ihr, wie sie es trotz Übermüdung, heftiger Naturgewalten und ständiger Schmerzen ins Ziel geschafft haben.
Bereits zum achten Mal fand im Februar 2010 das Wenger Patagonian Expedition Race in Chile statt. Undurchdringliche Wälder, weitläufige Sumpflandschaften, schneebedeckte Berge und extreme Wetterbedingungen machen das Expeditionsrennen zu einem der härtesten seiner Art.
Zum ersten Mal nahm ein deutsches Team an dem Extremsportevent teil. Thoralf Berg, Pierre Eyen, Melanie Hohenester und Marc Pschebizin machten sich auf ans Ende der Welt und durchquerten 550 Kilometer patagonische Wildnis in den Disziplinen Kayaking, Trekking und Biking. Wir haben sie begleitet.
Genau genommen beginnt das Abenteuer für das deutsche Team Herbertz nicht mit dem Startschuss der Rennleitung am 9. Februar 2010.
Genau genommen beginnt das Abenteuer vier Tage früher, auf dem Flug mit Iberia nach Santiago de Chile. Mitten auf dem Atlantik erschallt eine Durchsage des Piloten: „Ein Cockpitfenster ist angebrochen“. Die Maschine der Deutschen macht kehrt und muss auf den Kanarischen Inseln notlanden.
Bis die Maschine wieder starten kann, vergehen mehrere Stunden. Erst nach zwei Tagen Reisestrapazen trifft das Team sichtlich erschöpft in Punta Arenas ein.
48 Stunden später am Plaza de Armas, wo sich die Athleten im Morgengrauen vor dem Rennstart einfinden, wirken die Deutschen nach wie vor müde. Entsprechend vorsichtig formuliert Teamkapitän Marc Pschebizin die Zielsetzung für das Rennen:
„Wir wollen gesund und munter im Ziel ankommen. Das wäre schon ein Erfolg.“ Ein Blick auf die Statistik, wonach es durchschnittlich nur 30 Prozent aller Teams bis zum Ende schaffen, macht deutlich, dass selbst eine solch bescheidene Zielsetzung kein einfaches Unterfangen sein werde.
Zwei Busse bringen die Teams nach Angostura, wo das Rennen pünktlich um halb elf mit einer Kayaketappe über die Magellanstraße eröffnet werden soll. Nur dann erlauben die Strömungen eine sichere Überfahrt.
Allerdings herrschen Windgeschwindigkeiten weit über 100 Stundenkilometer, auf der Magellanstraße türmen sich die Wellen bis zu vier Meter. Wer vor Ort ist, mag sich kaum vorstellen, dass gleich knapp 30 Kayaks dieser Naturgewalt trotzen sollen.
Vor allem Melanie Hohenester steht die Anspannung ins Gesicht geschrieben, während sie auf das Startsignal wartet. Für sie bedeutet die Überfahrt die erste Kayakfahrt unter Wettkampfbedingungen. Im wahrsten Sinne des Wortes würde sie sich ins kalte Wasser stürzen.
Doch die 36-jährige hat Glück, es kommt nicht soweit. Die Küstenwache schiebt der Überquerung der Magellanstraße mit dem Kayak einen Riegel vor, zu groß sei die Gefahr für die Athleten bei diesen Witterungsbedingungen. Durchatmen. Die Jungfernfahrt der Münchnerin wird später stattfinden.
Die Teams werden mit der Fähre nach Feuerland verfrachtet, wo Rennleiter Stjepan Pavicic zwei Stunden nach dem ursprünglich geplanten Beginn das Rennen mit einer Trekkingstrecke offiziell eröffnet. Die Deutschen legen ein hohes Tempo vor und setzen sich überraschend an die Spitze.
Allerdings haben sie Probleme den ersten Checkpoint zu finden, so dass andere Teams vorbeiziehen.
Die ersten Tage sind ein ständiger Kampf gegen den Wind. Besonders auf den Bikeetappen leiden die Athleten unter der Naturgewalt.
Kommt der Wind frontal, müssen sie selbst bergab stehend in die Pedalen treten, um vorwärts zu kommen. Auf gerader Strecke erreichen die Teams kaum mehr als fünf Stundenkilometer. Bei Rückenwind hingegen scheinen sie über die Steppen Feuerlands zu gleiten.
Bis zu 50 Stundenkilometer sind möglich, ohne in die Pedale zu treten. „Der Wind trug uns sogar Berge hinauf“, berichtet Melanie Hohenester.
Dennoch verlieren die Deutschen an Boden. Ihr belgisches Teammitglied Pierre Eyen ist in dieser Disziplin wenig geübt. Seine Mitstreiter versuchen ihn, nach Kräften zu unterstützen, doch haben sie genug mit sich selbst zu kämpfen.
Der Belgier, der sich erst kurz vor dem Rennen dem Team anschloss, ist froh, als gegen Mitternacht das Ende der Bikeetappe erreicht ist und wieder Trekking auf dem Programm steht.
Als die Deutschen am nächsten Morgen am sechsten Checkpoint ankommen, sehen sie bereits schwer gezeichnet aus. Man wusste, dass die Witterungsbedingungen in Patagonien eine Herausforderung darstellen würden, die Heftigkeit der Naturgewalten überrascht dennoch.
Das Team entschließt sich, etwas zu kochen und Kraft zu tanken. Den Schlaf wollen sie dagegen noch hinauszögern. „Wir möchten das Tageslicht ausnutzen und versuchen, soweit wie möglich zu kommen“, erklärt Teamkapitän Marc Pschebizin.
An Position fünf begeben sie sich auf die folgende Mammutbikestrecke durch die weiten Pampas Feuerlands. Die vier arbeiten gut im Team zusammen und halten den Anschluss an die anderen Teams.
Freilich werden im Laufe des Tages die Beine immer schwerer und Müdigkeit legt sich wie ein bleierner Umhang um die Schultern der Athleten. Nach 36 Stunden ohne Schlaf bitten sie schließlich auf einer der wenigen Haciendas in diesem Gebiet um Obdach.
Die Bewohner gewähren ihnen die Bitte, auch das spanische Team hatten sie zuvor schon freundlich aufgenommen. Es ist ein bescheidenes Domizil, doch hält es Matrazen und ein Dach über dem Kopf bereit.
In dieser vom Wind gepeitschten rauen Wildnis ist das Luxus. Die Vier genießen den Segen reichlich und schlafen vier statt der ursprünglich geplanten drei Stunden. „Wir haben unsere Wecker nicht gehört“, erklärt Marc Pschebizin lapidar.
Fortsetzung: Patagonian Expedition Race
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Fortsetzung: Patagonian Expedition Race
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