Ironman Hawaii 2007: Virus setzte Favoriten außer Gefecht
Die von 2004 bis 2006 andauernde Siegserie der Deutschen beim Ironman Hawaii fand ihr Ende. Erstmals seit Jahren brachten sie keinen einzigen Athleten in die Top Ten. Der Ironman war bedingt von krankheitsbedingten Absagen.
Nach der kurzfristigen krankheitsbedingten Absage von Faris Al Sultan wegen Magenproblemen und der Aufgabe von Normann Stadler aufgrund der gleichen gesundheitlichen Probleme beim Radfahren belegte Frank Vytrisal (Darmstadt) Platz 14 als bester Deutscher, gefolgt von Timo Bracht (Eberstadt) auf Platz 15. Maximilian Longrée belegte Platz 17, Michael Göhner Platz 18.
Der in Sydney lebende Chris McCormack und die Britin Chrissie Wellington gewannen die Ironman Hawaii World Championship über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 km Radfahren und 43 km Laufen. Der Australier erfüllte sich bei heißen Bedingungen und mit 2:42 Stunden für den Marathon einen Jugendtraum. Seinen ersten Sieg im fünften Anlauf widmete der 34-Jährige unter Tränen im Ziel seiner Mutter und seinem verstorbenen Trainingskollegen und Jugendfreund. Zu den ersten Gratulanten gehörte auch Normann Stadler, der die sportliche Leistung des neuen Weltmeisters gebührende anerkannt.
Auf den zweiten Platz lief Landsmann Craig Alexander, amtierender Ironman 70.3 Weltmeister von Clearwater mit einem der besten Einstände in der Geschichte des Triathlons auf dem pulsierenden Zielkanal auf dem Alii Drive ein. Besser platzierte sich seinerzeit nur der Belgier Luc van Lierde im Jahr 1996 mit Platz 1. Der Belgier Rutger Beke konnte ebenfalls auf Platz 2 debütieren. Bronze sicherte sich der Däne Torbjörn (8:21:30) Sindballe, der damit sein bisher bestes Ergebnis erreichen konnte und die prestigeträchtige Einfahrt als erster Athlet nach dem 180 Kilometern Einzelzeitfahren in die Wechselzone am Pier von Kailua-Kona für sich entschied.
Die Kanadierin Samantha McGlone, Ironman 70.3 Weltmeisterin von 2006 folgt nur eine knappe Stunde hinter dem australischen Sieger mit einem Einstand nach Maß. Die Australierin Kate Major holte sich Platz 3 in 9:19:13 Stunden.
Nach dem Schwimmen im Pazifik übernahm der US-Amerikaner Chris Lieto die Initiative und setzte seinen Angriff auf dem Rad. Bei Radkilometer 152 erhielt er Unterstützung von Torbjorn Sindballe, der ihn dann auch mit dem Platz hinter dem Führungsauto ablöste. Der Rückstand des hohen Mitfavoriten Chris McCormack betrug rund 11 Minuten, bevor es zusammen mit den starken Läufern Tim DeBoom und Luc van Lierde auf den Marathon ging. Von hinten rückten in der Zwischenzeit der Belgier Marino Vanhoenacker und der Spanier Eneko Llanos nach, die auch als starke Läufer zu gelten haben. Doch es sollte Chris Lieto sein, der auf dem Rückweg des ersten Wendepunkts am Alii Drive wieder zu Sindballe aufschließen konnte. Der weitere Ausbau des Vorsprungs war dann zunächst nur noch Formsache. Doch auch für den Führenden war kurz vor dem Halbmarathon das Ende der Zeit auf Platz 1 erreicht. Chris McCormack forderte die Führung vehement ein und der US-Amerikaner Lieto wehrte sich nur wenige Minuten.
Indessen wühlte sich mit der Beständigkeit eines Uhrwerks Craig Alexander an die Spitze heran, schaffte aber den entscheidenden Sprung nicht. Rund einen halben Kilometer betrug der Vorsprung. Genug, um in der flimmernden Lavawüste die Sicht an manchen Stellen herzustellen.
Wenige Kilometer vor dem Ziel war McCormack sich dann sicher. Die geballte Faust in die Luft streckend und sich ab und an nach hinten absichernd ließ sich der Australier auf den letzten Straßenzügen Konas bis hin zum Alii Drive feiern. Für viele überraschend kam mit einer nicht jeden Tag von Torbjorn Sindballe erwarteten Laufleistung unter 3 Stunden der Däne ins Ziel ein.
Dede Griesbauer führte wie erwartet kurze Zeit nach dem Schwimmen das Rennen der Frauen an, bis kurz vor der zweiten Wechselzone eine Änderun eintrat. Die sie nach vorne verabschiedende neue Weltmeisterin Chrissie Wellington stand bei keinem Experten so richtig oben auf der Liste. Selbst ein deutlicher Sieg beim Ironman Korea brachte sie nicht in wirkliche theoretische Schlagdistanz der Top-Favoritinnen. Ihre Radstärke, die sich die Britin im Beruf angeeignet hatte spielte sie an diesem Tag voll aus und zeigte auch beim Marathon keinerlei Schwächen. Für den Rookie Samantha McGlone blieb nur der herausragende zweite Platz, den ihr auch Kate Major nicht streitig machen konnte.
Beim Radfahren aufgegeben haben mit Normann Stadler und Michellie Jones die Weltmeister von 2006 wegen Verdauungsproblemen und Übelkeit, die auch der Rennarzt unter diesen intensiven körperlichen Belastungen nicht beheben konnte. Katja Schumacher musste an vierter Stelle beim Marathon liegend mit Magenkrämpfen aufgeben.
Für Natascha Badmann stand das Kharma am Renntag ebenfalls nicht gut. Sie kollidierte als sechsfache Titelträgerin bei Radkilometer 20 mit einem Straßenkegel, der zur Absperrung gedacht war. Mit Schlüsselbeinbruch, Bänderzerrungen an der anderen Schulter und weiteren Abschürfungen forderte sie ein Ersatzfahrrad und setzte das Radfahren eine weitere Stunde fort. Danach schied sie aus gesundheitlichen Gründen aus dem Rennen aus. Ebenfalls nicht ins Ziel kam Cameron Brown, der schon 10 Tage vor dem Rennen einen Virus bekämpfte und für ganze drei Tage ans Bett gefesselt wurde. Die Erholungszeit war schlicht zu kurz und zwang den Neuseeländer zum Ausstieg bei Radkilometer 120. Der Münchener Faris Al-Sultan konnte wegen einer vergleichbaren Magen-Darm Grippe nicht an den Start gehen. Rutger Beke bekam gleich beim Schwimmen einen schweren Tritt ins Gesicht und schwamm, fuhr und lief den ganzen Tag dem Feld hinterher.
Top 10 Männer Ironman Hawaii 2007
1. McCormack, Chris (AUS) 8:15:34
2. Alexander, Craig (AUS) 8:19:04
3. Sindballe, Torbjorn (DEN) 8:21:30
4. DeBoom, Timothy (USA) 8:22:33
5. Vanhoenacker, Marino (BEL) 8:23:31
6. Lieto, Chris (USA) 8:25:49
7. Llanos, Eneko (ESP) 8:26:00
8. Van Lierde, Luc (BEL) 8:30:01
9. Lovato, Michael (USA) 8:33:28
10. Vernay, Patrick (NCL) 8:35:10
Top 10 Frauen
1. Wellington, Chrissie (GBR) 9:08:45
2. McGlone, Samantha (USA) 9:14:04
3. Major, Kate (USA) 9:19:13
4. Lawn, Joanna (NZL) 9:26:47
5. Preston, Rebecca (AUS) 9:26:55
6. Keat, Rebekah (AUS) 9:27:19
7. Griesbauer, Dede (USA) 9:33:34
8. Cave, Leanda (GBR) 9:36:10
9. Granger, Belinda (AUS) 9:37:54
10. Csomor, Erika (HUN) 9:39:47
Mit Material von Kai Baumgartner, Ironman.com
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