Am Limit: Interview mit Bergsteiger Alexander Huber
Im Interview mit funsporting erzählt Alexander Huber von den Huberbuam von seinem Weg zum Glück, von Egoismus und Rivalität unter Brüdern sowie den Konflikten mit Regisseur Pepe Danquart bei den Dreharbeiten zum Kinofilm "Am Limit".
Am 22. März ist der Kinofilm "Am Limit" in den Kinos angelaufen. Es geht darin um den Versuch von Alexander und Thomas Huber, "The Nose" im Yosemite Valley in weniger als drei Stunden zu bezwingen.
Wir trafen uns in Berlin mit Alexander Huber zum Interview. Ins Hochdeutsche übersetzt von Sascha Jurek :-)
funsporting: Grenzerfahrungen sind die Huberbuam beim Klettern ja gewohnt. War das Filmemachen für Euch eine neue Grenzerfahrung?
Alex: Es war auf jeden Fall eine Grenzerfahrung. Vor allem in der Kombination, denn das Filmen an sich ist für uns nichts Neues gewesen, wir haben ja bereits bei anderen Begehungen schon Filme gemacht, aber in einer anderen Dimension. Nur mit diesem Kinofilm sind ganz andere Sachen auf uns zugekommen. Da sind schon zwei verschiedene Welten aufeinander geprallt. Die filmerische Welt war durch ein Alphatier vertreten, durch den Regisseur Pepe Danquart, und wir waren auch mit Alphatieren bestückt, nämlich der Thomas und ich, und da sind wir erstmal ordentlich zusammengerumpelt. Da hat´s geknirscht und geknistert und Funken sind geflogen, aber irgendwann sind wir schon zusammengekommen. Aber wir haben echt zuerst klären müssen, was die andere Welt wirklich bedeutet.
funsporting: hat Euch das Filmen denn eingeschränkt oder konntet Ihr einfach Euer Ding machen?
Alex: Es hat uns auf jeden Fall eingeschränkt. Und die Tatsache, dass der Unfall mit dem Thomas dann passiert ist, hat mit dem Film auf jeden Fall zu tun gehabt. Es ist einfach sehr viel Druck da, wenn 30 Leute am Morgen ausrücken und da merkt man, dass man nicht gern Nein sagt. Der Thomas hat das einfach gespürt, dass es nicht so wunderbar passt, aber einen Tag davor habe ich schon den Versuch abgebrochen. Beim Einstieg habe ich mich nicht gut gefühlt und da habe ich gesagt: „Nein, das mache ich nicht. Das bringt heut nichts“. Da waren schon 30 Leute am Laufen. Am nächsten Tag waren wieder 30 Leute am Laufen und da hat der Thomas einfach nicht mehr so die Freiheit besessen zu sagen: Nein, jetzt lassen wir´s. Und dann ist er losgespurtet, hat gespürt, dass es nicht 100prozentig passt. Wir haben da einfach das Souverän verloren, zu sagen, es geht nur um mich selbst und sonst um nichts. Und wenn man das nicht hundertprozentig fühlt, dann müsste man eigentlich sagen, wir lassen es gut sein. Weil es gibt auch drei oder fünf Tage später die Möglichkeit, nur wenn dann halt 30 Leute sich in Position gebracht haben, dann ist es einfach unheimlich schwer, sich davon zu befreien.
funsporting: Heißt das, dass es in Zukunft keine Produktionen von diesem Ausmaß mehr geben wird?
Alex: Nein, das ist für uns keine negative Erfahrung. Ich würde einfach sagen, wir sind froh, dass nichts Schwerwiegenderes passiert ist. Dass die Verletzungen, die uns passiert sind, nicht mit bleibenden Schäden verbunden sind, sondern, dass es einfach nur vorübergehende Erfahrungen waren. Mit den Verletzungen haben wir ein Scheitern hinnehmen müssen, aber das Wichtige ist, dass man nicht am Boden liegen bleibt, sondern wieder aufsteht, die Situation begreift, nach vorne schaut und dass man das, was man im Visier gehabt hat, auch weiterhin im Visier behält und einfach versucht aus der Niederlage zu lernen. Das Scheitern gehört letztendlich zum Leben dazu.
funsporting: In dem Film heißt es einmal, dass das Klettern wie eine Sucht sei. Wie kann man am besten diesen Drang beschreiben, dass man immer weitermachen will, auch wenn man weiß, dass man sich dabei in Lebensgefahr begibt?
Alex: Es gibt verschiedene Wege, um im Leben sein Ziel zu finden und meines Erachtens ist mein Ziel, im Leben glücklich zu sein. Und es hat sich in meinem Leben so ergeben, dass dieser Weg übers Bergsteigen führt. Das habe ich nicht selbst bestimmt, sondern ich bin in den Alpen geboren, aufgewachsen, ich wurde von meinen Eltern dahingeführt. Ich habe erkannt, dass das für mich ein Weg ist, der mich zufrieden macht und deswegen würde ich auch keinen Grund sehen, diesen Weg zu ändern. Und heute gehört zu diesem Weg auch dazu, dass ich an meine Grenzen gehe. Und je mehr ich Energie hineinstecken muss, um dieses Ziel zu erreichen, je öfter ich scheitern muss, umso bedeutender ist es dann auch, wenn ich dieses Ziel erreiche, weil die ganze Anspannung, die im Vorfeld von der Begehung da ist, die verschwindet dann in diesem Moment. Und das Verschwinden dieser Anspannung lässt einen so unglaublich leicht und befreit fühlen. Es mag zwar sein, dass man diesen Moment sehr kurz empfindet, aber letztlich hängt es auch nicht von der Länge ab, sondern von der Intensität. Genauso wenig denkt man darüber nach, was in der Zukunft passieren soll. man steht jetzt mit diesem für sich so bedeutenden Moment da und empfindet einfach nur das wahre Dasein, das Leben, das Sein jetzt.
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