Dune Up: Wüstenabenteuer im Oman
Anfang Dezember trat eine bunt gemischte Truppe aus Läufern und Mountainbikern an, um eine Strecke von mehr als 160 Kilometern durch den Oman zu Fuß und auf Bikes in vier Tagen zurückzulegen. FUNSPORTING-Chefredakteur Sascha Jurek berichtet.
Was ist wohl das größte Problem, wenn man beschließt, zu Fuß eine Wüste zu durchqueren? Die Hitze? Nein, Sonnencreme und Kappe schützen. Der Durst? Nein, die Begleitfahrzeuge haben ja genügend Wasser dabei. Viel wichtiger ist jedoch die Frage: Wie bleibt der verdammte Sand außerhalb der Schuhe? Beim Dune Up im Oman konnte man zu dieser Frage ganz unterschiedliche Lösungsansätze beobachten.
Helden in Nylons
Einige der Extremläufer, die an dem Abenteuer durch den Oman teilnahmen, hatten ihre Schuhe extra vom Schuster mit einer kräftigen Plane umsäumen lassen. Diese Plane wurde dann am Unterschenkel zusammengerafft und mit Tape befestigt. Problem: Es wurde ziemlich schnell ziemlich feucht im Schuh. Die ersten Blasen machten sich schon bald bemerkbar. Andere Teilnehmer versuchten es nur mit Tape. Rundherum und bis zur Wade wurde der Schuh zugeklebt.
Einer versuchte es gar ganz barfuß - stieg dann aber doch auf Schuhe um. Bewährt hat sich aber eine ganz andere Methode. Nicht nur bei einem gerissenen Keilriemen können Damenstrümpfe Wunder bewirken, auch in der Wüste können Nylons manchmal ganz nützlich sein. Und so sah man im laufe der Etappen immer mehr Läufer, die ihre zugetapten Schuhe in enge Nylonstrümpfe pressten. Diese erwiesen sich als erstaunlich robust und hielten den Sand draußen.
Hitze? Von wegen
Doch nun von vorne. Denn das Abenteuer Dune Up begann mit einer Mountainbike-Etappe, die es in sich hatte. Der Jebel Shams Gebirgszug im Oman ist eine faszinierende Berglandschaft aus dunklem und grau verwittertem Gestein, die sich bis 3.000 Meter in die Höhe erhebt. Eine halsbrecherische Straße windet sich dort empor und diese galt es mit Muskelkraft zu bewältigen. Teilweise waren die Anstiege so steil, dass an Fahrradfahren nicht mehr zu denken war. Schieben war angesagt. Wem das zu mühselig war, der schulterte leichthändig das Bike und marschierte so weiter. Eins zeigte sich jedoch schon während dieser ersten 40 Kilometer langen Etappe: Die Teilnehmer waren allesamt richtig fit. Und so wurden auch Materialpannen gemeinsam schnell bewältigt. Am Ende des ersten Tages wartete in windiger Höhe das Nachtlager auf die Teilnehmer und Fahrer, die die Karawane mit Offroad-Fahrzeugen begleitete, ärztlich betreute und mit Getränken und Snacks versorgte. Ein eisiger Wind pfiff um die schwarzen Gipfel und am nächsten Morgen waren die Fahrzeuge tatsächlich vereist. Eine harte Bewährungsprobe für die Schlafsäcke, die nicht alle bestanden.
Die Luft muss raus
Von den kalten Höhen ging es am nächsten Tag in die heißen Dünenlandschaften des Oman. Auch für die Fahrer eine neue Erfahrung, denn um in der Wüste fahren zu können, braucht man ein spezielles Training. Regel Nr. 1: Erstmal Luft aus den Reifen lassen. Und zwar zweieinhalb Minuten lang. Erst wenn sich der Reifen schon wulstig nach außen wölbt, ist das Fahrzeug sandtauglich. Dennoch dauerte es kaum 20 Minuten, bis sich das erste Fahrzeug in den Wüstensand gegraben hatte. In so einem Fall heißt es: Reifen freischaufeln und wenn das nicht hilft: Abschleppseil.
Pro Tag ein Marathon
Drei Tage lang ging es dann durch die Wüste. Jeden Tag 40 Kilometer. Jeden Tag ein Marathon durch die Hitze und durch den Sand. Wo jeder Schritt konzentriert gesetzt werden muss. Damit man nicht einsinkt, nicht wegrutscht, denn das kostet Kraft. Bei jedem Schritt. Erschöpfungserscheinungen zeigten nur die Füße der Teilnehmer. Blasen mussten behandelt werden.
Sobald abends die Sonne unterging, musste ein Lagerfeuer entzündet werden, denn es wurde schnell frisch. Und windig. Und manch einer erlebte sogar noch eine Premiere. Ein indischer Journalist, der das Rennen begleitete, um darüber zu berichten, baute zum ersten Mal in seinem Leben ein Zelt auf. Gar nicht so einfach bei dem störrischen Wind. Duschen? Fehlanzeige. Toiletten? Ab hinter die Düne! Klappspaten nicht vergessen... Auch das ist Lagerleben.
Für alle, die das auch einmal ausprobieren wollen und auch physisch an ihre Grenzen gehen wollen, gibt es eine gute Nachricht: Im kommenden jahr wird der "Dune Up" erneut im Oman stattfinden. Veranstalter Martin Trier tüftelt derweil auch schon wieder an neuen Konzepten - unter anderem an einem Lauf auf der Chinesischen Mauer.
Zur Bildergalerie Dune Up 2008...
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