Abschied nehmen von Extrem-Bergsteiger Gerfried Göschl und seinen Freunden

Göschl wird zusammen mit dem Schweizer Cedric Hählen und dem Pakistaner Nisar Hussain seit dem 9. März 2012 am Hidden Peak (8.080 m) im Karakorum-Gebirge vermisst. Ihren Versuch der ersten Winterbesteigung des entlegenen 8000ers, dürften sie nicht überlebt haben

Der verstorbene Bergsteiger Gerfried Göschl Göschls Leidenschaft für das Bergsteigen wurde schon in seiner Kindheit geweckt. Sein Vater, Rainer Göschl, war ein erfolgreicher Höhenbersteiger. Ihm gelangen gemeinsam mit Hanns Schell unter anderem die Erstbesteigung der Siebentausender Akher Tsagh (7017 m) und Diran (Minapin, 7266 m) in den Jahren 1966 und 1968.

In seiner Jugend bestieg Gerfried Göschl zahlreiche Gipfel in den heimatlichen Bergen im Gesäuse, auch auf schwierigen Routen. Seine Laufbahn als Extrem- und Höhenbergsteiger begann 1999 mit einer Expedition zum Momhil Sar (7342 m), bei der er gemeinsam mit seinem Vater und seinem Bruder Rainer Wolfgang die Erstbegehung versuchte. Zwei Jahre später gelang dem Trio die Begehung des Muzthag Ata auf Ski.

Gerfried Göschl wollte im Winter über einen Achttausender

Das Ziel von Göschl war es, im März 2012 die erste Überschreitung eines Achttausenders im Winter umzusetzen, welche in diesem Fall auch gleichzeitig die erste Winterbegehung des Gasherbrum I gewesen wäre. Die erste Winterbesteigung war auch das Ziel einer weiteren Expedition. Göschl und sein Team wollten dies mit den Aufstieg über eine teilweise neue Route an der Südflanke und den Abstieg über den nordseitigen Normalweg schaffen.

Durch anhaltendes, ungünstiges Wetter mit starken Winden in den Gipfelbereichen bot sich im Laufe der fast zwei Monate dauernden Expedition – nach einem fehlgeschlagenen Versuch –, nur mehr ein zweitägiges mögliches Wetterfenster um den 8. und 9. März, um einen letzten Besteigungsversuch zu unternehmen. Danach sollte das Wetter bis Frühlingsbeginn ungeeignet bleiben.Daher stiegen beide Expeditionen zeitgleich in den Tagen vor der berechneten Wetterbesserung bei eigentlich ungünstigen Bedingungen zu ihren jeweiligen Lagern 3 auf.

Die über die Normalroute aufsteigenden polnischen Bergsteiger der anderen Expedition Adam Bielecki und Janusz Gołąb erreichten den Gipfel am 9. März. Den letzten Sichtkontakt zur Gruppe um Göschl, Cedric Hählen und Nisar Hussain Sadpara gab es durch Alex Txikon am Mittag des 9. März, dieser sah sie vom Basislager aus in etwa 200 bis 250 Meter unter dem Gipfel.

Die absteigende polnische Gruppe berichtete von zunehmend verschlechterndem Wetter, somit auch fehlender Sicht, ansteigend sturmartigem Wind und extremer Wintertemperaturen. Am Gipfeltag lag die Temperatur auf 8.080 Metern bei -47°C, die Windgeschwindigkeiten erreichten am Nachmittag bereits über 100 km/h. Das Wetter änderte sich dann in Folge auch nicht mehr, direkte Rettungsmaßnahmen waren somit auch nicht möglich.

Agnieszka Bielecka, die Basislager-Leiterin der polnischen Expedition und der polnische Teilnehmer der Internationalen Expedition Dariusz Załuski versuchten einen Rettungsaufstieg am 13. März, scheiterten jedoch aufgrund unerträglicher Temperaturen und Windverhältnisse, ebenso blieb ein weiterer Versuch am 14. März durch zwei pakistanische Teilnehmer der polnischen Expedition ohne Ergebnis.

Zwei Helikopter der pakistanischen Armee  suchten erfolglos nach Gerfried Göschls Truppe

Am 15. März suchten zwei Helikopter der pakistanischen Armee erfolglos entlang der Bergflanken. Die Teilnehmer beider Expeditionen verließen noch am selben Tag das Basislager.

Trotz der ausweglosen Situation, keimte noch immer ein Funke Hoffnung, doch noch ein Zeichen der wahrscheinlich für immer vermissten Bergsteiger zu entdecken. Auch Gerfried Göschls Schweizer Freunde wollten das Unglück so nicht stehen lassen und organisierten einen weiteren Suchflug, der aufgrund der Wetterverhältnisse am 31.03. durchgeführt werden konnte. Fünf Stunden lang wurde der gesamte Berg bis auf eine Höhe von 7200m abgeflogen und ausführlich mit Bildern dokumentiert. Auch bei diesem Suchflug wurde auch nicht die geringste Spur entdeckt.

Nun hat man sich von dem Extrem-Bergsteiger Gerfried Göschl in aller Würde verabschiedet. Der Trauergottesdienst fand am Dienstag, dem 10. April 2012 in der Pfarrkirche in Frauenberg statt.

FUNSPORTING wünscht allen Hinterbliebenen viel Kraft in dieser schwierigen Zeit! R.I.P. Gerfired Göschl

veröffentlicht am 13.04.2012

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