Jungfrau Stafette:
Der Mythos lebt

Nach 68 Jahren findet eines der bedeutendsten Schweizer Sportereignisse der 30er-Jahre seine Fortsetzung. Spitzensportler und historische Flugzeuge, Rennwagen und Motorräder jagen den silbernen Adler und den Streckenrekord von 1939.

Die Red Bull Jungfrau-Stafette führt an einem Tag von Zürich über das Jungfraujoch, durch das Wallis und via Lausanne zurück nach Zürich. Sie war in den 30er-Jahren eines der größten Sportereignisse der Schweiz. In einem Tag eine Tour de Suisse von 530 km zurückzulegen war für damalige Mobilitätsbegriffe unerhört und mit einem Flugzeug das 3.454 Meter hohe Jungfraujoch zu überqueren ein aviatisches Abenteuer. Die Läufer, Radfahrer und Skifahrer wurden für ihre Ausdauerleistungen und Parforceritte über Gletscher, Stock und Stein bewundert. Die Auto- und Motorradrennfahrer waren ohnehin Helden ihrer Zeit. Die Zeitung «Sport» organisierte die Jungfrau-Stafette alle zwei Jahre zwischen 1931 und 1939. Der Zweite Weltkrieg verhinderte die Fortsetzung.

 68-jähriger Streckenrekord
Am 2. Juni 2007 kehrt der polysportive Wettlauf als Red Bull Jungfrau-Stafette aus dem Reich der Mythen auf den Schweizer Boden zurück. 42 Equipen haben sich zum Abenteuer gemeldet. Läufer und Radfahrer bringen den Stafettenstab ihrer Teams vom Landesmuseum in Zürich auf den Flugplatz Birrfeld. Piloten in historischen Flugzeugen werfen ihn über dem Jungfraujoch ab. Skifahrer, Gletscherläufer, Bergläufer, Gleitschirmflieger und Mountbainbike-Downhiller tragen ihn via Eggishorn hinunter ins Wallis.

Motorradfahrer und Rennwagenpiloten auf Maschinen aus der Vorkriegszeit fahren – im Gegensatz zu den 30er-Jahre unter Einhaltung aller Verkehrsregeln – nach Lausanne. Per Flugzeug und Velo kommen die Staffelhölzer zurück bis kurz vor Zürich, wo der Schlussläufer Richtung Landesmuseum geschickt wird. 1939 stellte der Skiclub Wengen den Streckenrekord von 7 Stunden 17 Minuten und 45 Sekunden auf – allerdings mit Lang-, Berg- und Talläufern zwischen der Skistrecke am Jungfraujoch und dem Motorradstart in Fiesch. Die Flug-, Auto- und Motorradstrecken werden innerhalb einer Sollzeit zurückgelegt, das Rennen wird quasi neutralisiert. Auf allen anderen Abschnitten wird Tempo gemacht.

In Aktion sind durchwegs leistungsorientierte Athleten, darunter viele Schweizer Spitzensportler. «Die Jungfrau-Stafette ist ein Rennen, es geht darum, als Erster ins Ziel zu kommen», hält Bernhard Brägger, Initiant der Veranstaltung, fest. Genau genommen ist sie Oldtimer-Happening und polysportiver Wettkampf in einem. Auch wenn wie damals Sportsgeist und das Erlebnis im Vordergrund stehen, die Siegestrophäe, einen silbernen Adler, holt man sich nur mit einer athletischen Spitzenleistung.

Adolf Ogi und die Weltmeister
Diverse Weltmeister stehen am Start: von den Radfahrern Bruno Risi, Oskar Camenzind, Alex Zülle und Urs Freuler über die Skifahrer Franz Heinzer und Urs Lehmann bis zum Seilzieher Ernst Rütter. Nestlé-CEO Peter Brabeck ist als Motorradfahrer mit von der Partie und der Zürcher Polizeisprecher Marco Cortesi als Downhillbiker. Weitere Olympia- und WM-Medaillengewinner sowie Persönlichkeiten aus Sport und Gesellschaft gehören einer der 42 Equipen an. Schirmherr der Red Bull Jungfrau-Stafette ist Altbundesrat und UNO-Sonderbeauftragter für Sport, Adolf Ogi.

Die attraktivsten Zuschauerplätze
Am attraktivsten für die Zuschauer sind die Übergaben. Auf dem Jungfraujoch verfolgen sie von der Aussichtsterrasse aus, wie die Piloten anfliegen und den Stab, markiert mit einem Stoffband, über dem Gletscher abwerfen, woraufhin sich die Skifahrer talwärts stürzen. Am meisten Wechsel werden in der Region Fiesch-Eggishorn geboten: Von der Bergstation Eggishorn aus sieht man die Übergabe vom Gletscherläufer zum Bergläufer, welcher dann zur Bergstation hochrennt und den Gleitschirmflieger lanciert. Bei der Mittelstation Fiescheralp wechselt der Stab vom Gleitschirmflieger zum Downhillbiker, welcher in Fiesch den Motorradfahrer ins Rennen schickt. Die Flugzeuge, die in Lausanne erneut übernehmen müssen, fliegen über dem Aletschgletscher auf Augenhöhe der Zuschauer am Eggishorn vorbei.

Am späteren Nachmittag werden die Teams im Ziel in Zürich eintreffen. Festlicher Abschluss wird die Siegerehrung im Hof des Landesmuseums sein. Den Rekord von 1939 zu brechen dürfte schwierig werden, da damals auf den Straßen voll auf Tempo gefahren wurde. Zudem ist die Strecke von 2007 26 km länger als die Originalstrecke. Die Red Bull Jungfrau-Stafette wird zeigen, ob der technische Fortschritt die Verlangsamung durch vollere Straßen und strengere Gesetze wettmacht – ein interessanter Nebeneffekt der abwechslungsreichsten Tour durch die Schweiz seit 68 Jahren.

veröffentlicht am 02.04.2007

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