Interview mit Julius Brink und Christoph Dieckmann
Sie sind die erfolgreichsten Beachvolleyballer Deutschlands: Julius Brink und Christoph Dieckmann. Im Interview mit funsporting-Chefredakteur Sascha Jurek sprachen Sie über Doping im Beachvolleyball, Zukunftspläne und ihren Promifaktor.
Was macht ein Beachvolleyballer in einem Sommer ohne Sonne?
Christoph: Wir sind ja die meiste Zeit nicht in Deutschland, aber leider war es so, dass dort wo wir waren, auch oft Regen war. Aber da muss man auch durch. Wir können es uns ja nicht aussuchen. Da muss man mit der gleichen Einstellung rangehen, mit der man auch bei Sonnenschein rangeht. Wenn man erstmal angefangen hat zu spielen und warm ist, dann ist auch Regen kein Problem. Unangenehm ist nur die Kombination mit Kälte.
Wenn man den Klimawandel berücksichtigt, ist aber Beachvolleyball auf jeden Fall doch ein Sport mit Zukunft!
Christoph: Ja, da erschließen sich ganz neue Gebiete! In dem Fall befürchte ich allerdings, dass es nicht so schnell geht, dass wir da irgendwelche Vorteile davon haben.
Wo seht Ihr denn den Beachvolleyball-Sport in zehn Jahren?
Christoph: Ich denke, man muss versuchen, ihn kontinuierlich zu entwickeln. Dass man eben versucht mehr Länder zu erschließen für Turniere, das heißt, bisher war es so, dass sehr viel in Europa abläuft. Was noch ein bisschen fehlt, ist die globale Ausrichtung, dass man zum Beispiel noch mehr in Asien macht. Oder in Afrika gab es mal ein Turnier. In Südamerika ist im Moment nur Brasilien. Aber grundsätzlich habe ich schon ein sehr gutes Gefühl, dass es in zehn Jahrne sehr viel weiter ist als es bisher ist.
Und wo seht Ihr Euch persönlich in zehn Jahren?
Christoph: In zehn Jahren bin ich 41. Ich glaube, da werde ich nicht mehr spielen. Ich hoffe, dass ich dann weiterhin irgendetwas im Sport mache, in der Organisation oder als Trainer. Aber auf jeden Fall werde ich dann einen normaleren Beruf haben als jetzt.
Und Du?
Julius: Ich bin grad abgelenkt, da draußen sind die Fun-Girls… In zehn Jahren? Da könnte ich noch spielen, ich bin dann 35, vielleicht so gerade die Karriere beendet.
Und was wärst Du geworden, wenn Du nicht Beachvolleyballer geworden wärst?
Julius: Arbeitslos. Nein, ich glaube, ich hätte dann meinen Fokus etwas mehr auf die Schule gelegt und ich glaube, ich würde dann jetzt Sport studieren.
Immer noch besser als arbeitslos.
Julius: Na ja, nach dem Sportstudium ist man dann ja auch arbeitslos.
Und was hättest Du gemacht?
Christoph: Ich habe mal angefangen, Jura zu studieren. Ich glaube, ich hätte das dann weiter gemacht.
Was habt Ihr Euch für diese Saison vorgenommen und was habt Ihr davon schon erreicht?
Christoph: Die Saison steht schon unter olympischen Vorzeichen. Die Qualifikation dafür hat dieses Jahr begonnen. Das heißt wir müssen möglichst viele Punkte sammeln, um uns dafür zu qualifizieren. Und jetzt kommen eben die allerwichtigsten Turniere, jetzt in Berlin und in zwei Wochen die WM in Gstaad. Da wollen wir möglichst nach vorne kommen und alles gewinnen.
Wie hoch ist eigentlich der Promi-Faktor eines Beachvolleyballers? Werdet Ihr im Supermarkt erkannt?
Julius: Nee, leider nicht. Ich träume ja immer davon, dass man mal durch Köln läuft und dann heißt es: Das ist doch der… und die Frauen kreischen. Aber das ist bisher noch nicht passiert. Vor zwei Jahren bei der WM hier in Berlin, da kam das so ab und zu mal auf, wenn man vom damaligen Spielort ins Spielerhotel gelaufen ist. Ich bin dann ja auch öfter mal die Strecke entlanggegangen… (lacht). Da wurde dann mal schon gekuckt.
Wie anfällig ist Beachvolleyball für Doping?
Julius: Beachvolleyball ist sicherlich grundsätzlich schon anfällig, weil es ja auch ein sehr athletischer, körperlich sehr aufreibender Sport ist. Also wenn man sich mit Ärzten darüber unterhalten würde, wären da schon gewisse Leistungssteigerungen durch Medikamente zu erlangen, aber da ist dann halt auch immer eine Sache, wie man das Thema moralisch angeht und für uns kommt das halt überhaupt nicht in Frage.
Christoph: Außerdem haben wir beide keine Hunde und können uns deswegen keine Codenamen einfallen lassen.
Aber es gibt keine konkreten Verdachtsmomente?
Julius: Ich würde für kein Team meine Hand ins Feuer legen, aber ich würde mal sagen, dass auf jeden Fall die Chance, dass man ohne Doping eine Medaille holt, bei diesen Olympischen Spielen und vielleicht auch noch bei den nächsten, groß ist.
Wenn man sich Euren Terminkalender anschaut, dann sieht man, dass Ihr ja die meiste Zeit in der ganzen Welt unterwegs seid. Schön oder Stress?
Christoph: Sowohl als auch. Man ist ja bei den Turnieren auch immer an den gleichen Orten, deswegen sind das jetzt nicht mehr so viele neue Erfahrungen. Es hat natürlich auch angenehme Seiten, wenn es zu Hause minus 5 Grad hat und schneit und man ist in der Sonne. Und wenn man mal einen Tag frei hat, dann kommt man gerade mal dazu, die Wäsche zu waschen.
Julius: Der Christoph ist ja schon ein paar Jahre länger auf Tour als ich und ich hatte bis jetzt noch nicht den Tag, an dem ich gesagt hätte: Das nervt mich jetzt. Die Reiserei und dass man viele verschiedene Orte sieht, empfinde ich schon noch als positiv. Das einzige, was halt schwierig ist, sind die sozialen Kontakte.
Und was machst Du dann, wenn Du mal zu Hause bist. Außer Wäsche waschen?
Julius: Das macht zum Glück dann meine Mutter immer noch. Ich fange dann immer schon Tage vorher an, zu überlegen, wie ich den Tag verbringe.
Christoph: Es fallen dann ja auch immer noch viele organisatorische Dinge an, die wir selber erledigen müssen. Abrechnungen machen, Hotels oder Shuttles organisieren. Und wenn man dann mal ein paar Stunden frei hat, dann ist man eigentlich froh, mal gar nix zu machen.
Vielen Dank für das Gespräch!
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