Beach EM in Hamburg: Goller/Ludwig sind Europameister

Sara Goller/Laura Ludwig haben im Vergleich zum Vorjahr noch mal einen drauf gesetzt und sich Europas Krone aufgesetzt. Es war der vierte EM-Titel für ein deutsches Frauen-Duo.

Nach Silber im Vorjahr gewann das deutsche National-Duo Nummer eins die EM-Goldmedaille durch ein hochklassiges und hart umkämpftes 2:0 (26-24, 22-20) im Finale gegen die Norwegerinnen Hakedal/Toerlen. Dabei musste das deutsche Duo im ersten Satz vier Satzbälle abwehren. Für den Titel heimsten Goller/Ludwig 20.000 Euro Preisgeld, 800 europäische Ranglistenpunkte und 500 Weltranglistenpunkte ein. Es war der vierte EM-Titel für ein deutsches Frauen-Duo, zuvor hatten Beate Bühler/Danja Müsch (1994), Beate Paetow/Cordula Borger (1995) und Stephanie Pohl/Okka Rau (2003) den EM-Titel gewinnen können.

Cheftrainer Olaf Kortmann hatte vor dem Finale die Taktik verraten: „Wir wollen Hakedal anspielen und unsere Aufschläge mittig platzieren. Anschließend wollen wir die Diagonale blockieren.“ Doch zu Beginn funktionierte dies nicht, die Norwegerinnen profitierten von der Anfangsnervosität des deutschen Duos. Als diese jedoch abgelegt war, entwickelte sich eine packende, abwechslungsreiche Partie, in der die Führung wechselte. Nach Abwehr Ludwig war das deutsche Duo erstmals vorne (13-12), die Gegnerinnen konterten und gingen mit 17-18 in Führung. Beim 19-20 hatten die Norwegerinnen den ersten Satzball, Goller wehrte per Angriff ab. Auch die nächsten drei Satzbälle gingen an die Norwegerinnen, doch das DVV-Duo konterte jeweils eiskalt. Dann antizipierte Ludwig einen Angriff von Hakedal und versenkte den Punktball - erster Satzball Deutschland. Den konnte Hakedal noch abwehren, doch beim zweiten war kein Kraut gewachsen: Der Aufschlag von Ludwig touchierte die Netzkante und fiel von dort kurz hinter das Netz in das norwegische Feld.

Dieses (glückliche) Ende schien zweierlei Wirkung zu zeigen: Das deutsche Duo war dermaßen beflügelt, dass alles klappte, die Norwegerinnen - und vor allem Hakedal -wirkten paralysiert. Auf 10-3 bauten Goller/Ludwig den Vorsprung aus, wobei vor allem die raffinierten Sprung-Flatteraufschläge von Ludwig immense Wirkung zeigten. Doch im Gefühl des sicheren Sieges schlichen sich Unkonzentriertheiten und Fehler ein, die Norwegerinnen, die ihrerseits wieder an Sicherheit gewannen, holten Punkt um Punkt auf. Beim 16-16 hatten sie den Ausgleich geschafft, nach einem Ass von Toerlen (mit Netzkante und auf die Linie) gingen sie gar in Führung (18-19). Doch die Nervenstärke des DVV-Duos, das in Hamburg sieben Sätze mit zwei Punkten Unterschied gewann und keinen verlor, zeigte sich auch im Finale: Goller servierte ein Ass auf die Grundlinie und holte Matchball Nummer eins, den die Norwegerinnen abwehren konnten. Den zweiten Matchball sicherte Abwehrspielerin Ludwig per Block (!), nachdem sie ihren Angriff zuvor nicht untergebracht hatte. Als Hakedal ihren Angriff dann neben die Linie setzte, fragte Ludwig ihre Partnerin ungläubig: „Sind wir Europameister?“ Zwei Sekunden später lagen sie sich in den Armen und feierten den EM-Titel unter dem Jubel der 3.500 Zuschauer.

Laura Ludwig sagte anschließend: „Die Zuschauer haben uns am Ende zum Sieg verholfen, nachdem wir diesen hohen Vorsprung aus der Hand gegeben hatten. Wir haben gewonnen, weil der eiserne Wille da war. Wir wollten einfach gewinnen.“ Als Ausblick auf die Olympischen Spiele meinte Ludwig: „Bei Olympia wollen wir gut spielen und Top-Leistungen bringen. Wenn eine Medaille raus springt, nehmen wir die noch mit, aber wir erwarten sie nicht. Wir spielen noch Gstaad als Vorbereitung, dann fliegen wir zwei Wochen vorher nach Peking, um uns an die Bedingungen zu gewöhnen.“

Sara Goller ergänzte: „Von der mentalen Leistung ist der Sieg sehr hoch einzuordnen, wir haben sehr viele knappe Sätze gewonnen und Satz- oder Matchbälle abgewehrt. Das ist kein Zufall, Beach-Volleyball ist sehr psychologisch, Volleyball können alle spielen. Unsere Trainer wissen, wie sie uns diesbezüglich im Training ran nehmen müssen.“

Zum Matchball meinte Goller: „Der Ball war schnell, ich habe ihn nicht gesehen. Laura sagte, „Sind wir Europameister?“ „Ich glaube schon“, habe ich geantwortet.“

veröffentlicht am 14.07.2008
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