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Höhen und Tiefen in Andorra
Ein Erlebnisbericht von Jörg Schneider, Team Montrail Leppin
Gleich in zweierlei Hinsicht gab es Höhen und Tiefen in Andorra zu erfahren. Einerseits erwartete die 52 Teams aus 15 Nationen der vom Profil her schwierigste Adventure Racing-Weltcup über eine Distanz
von 211 Kilometern mit knapp 10.000 Höhenmetern Auf- und Abstieg. Andererseits gab es für das Team Montrail Leppin - eines von nur zwei gestarteten deutschen Teams - sehr gute Etappen-Platzierungen und
eher enttäuschende. Insgesamt führte der Weltklasse-Wettkampf durch die wunderschöne Bergwelt Andorras und des angrenzenden Spaniens mit vier MTB-Etappen, drei alpinen Trekking-Etappen, das Ganze
garniert mit zwei Wasser-Etappen und Seilaktivitäten.
Als extreme Herausforderung stellte sich die vierte und letzte Station des Adventure Racing-Weltcups in Andorra heraus. Wie angekündigt hatten sich die Organisatoren einen Kurs ausgedacht, der als
Generalprobe für die im September anstehende Weltmeisterschaft der Abenteuer-Sportler dienen sollte.
Gleich vom Start weg wurde ein mörderisches Tempo angezogen und
der Peloton der 52 gestarteten Teams zog sich wie ein Lindwurm zum Port d'Envilara auf 2400 m und von dort weiter bergan zum Pic del Maià auf 2600 m. Von dort ging es auf Single-Trails Pas del Vaques und
einen sehr steilen Bergweg hinab zum ersten Wechsel ("Assistance Point" - AP). Im zweiten Teil mussten die Bikes meist getragen werden.
Hier kamen uns unsere leichten Centurion Backfire Super mit knapp über neun Kilo zu Hilfe.
Nach einem schnellen Wechsel inmitten der Weltelite ging es auf eine
extrem steile und lange Trekking-Etappe. Oben am am ersten Checkpoint (CP) setzten wir alles auf eine Karte und nahmen die Route, die von keinem anderen Team genommen wurde - und verloren. Hier
verloren wir 1:30 h auf Team Saab Salomon aus England, die erwartungsgemäß den besten Laufsplit hinlegten.
Anschließend durften wir 350 Meter senkrecht eine Wand auf einem
Klettersteig erklimmen, bevor es auf die zweite MTB-Etappe des Tages ging. Hier konnte das Team Montrail Leppin wieder mit dem siebtbesten
Split brillieren. Es war zwischenzeitlich sehr heiß geworden und die Sonne stach unerbittlich. Dehydrationserscheinungen waren nur schwer abzuwenden.
Hier halfen die zwei folgenden Wasser-Etappen: Zuerst Hydrospeed (Wildwasser-Schwimmen), bei dem in einer Art "Bob" mit Neopren-Anzug und Flossen ein Wildwasser-Fluss hinabgeschwommen wird und
gleich darauf folgend eine 13 km lange Kanu-Etappe.
Bis hier hin waren die meisten Teams unserer Qualifikationsgruppe noch relativ nah beieinander. Die letzte Laufetappe in die Nacht hinein sollte
jedoch deutliche Veränderungen bringen. Ein Team-Mitglied erkrankte so schwer, dass an ein weiterlaufen zuerst nicht gedacht werden konnte. Nach einer Schlafpause (während die Zeit weiter lief!) schaffte
es das Team aber dann doch noch nach 7:42 h ins Ziel zu laufen.
Dies hatte zur Auswirkung, dass wir die darauf folgende MTB-Etappe
nicht in Angriff nahmen, da dem Team der Schlaf fehlte. Wir gingen direkt die darauf folgende Laufetappe an und ließen die letzte MTB-Etappe des Tages wieder aus. Für Etappen, die nicht gestartet oder
gefinisht werden, erhält man automatisch die Zeit des letzten Teams zuzüglich einer Stunde. Dies warf das Team Montrail Leppin noch einmal deutlich zurück.
Die Weltcup-Stage in Andorra war definitiv eine Reise wert. Der Rennkurs war wunderschön und extrem herausfordernd. Das Team harmonierte sehr gut, auch wenn mit Marc und Tina sich wieder zwei
neue Athleten beweisen durften. Die Entscheidung nach der zweiten Weltcup-Etappe in Nordschweden ist sicher richtig, sich nicht für die WM zu qualifizieren und stattdessen dem Team mehr Zeit zum Lernen
und Erfahrung sammeln zu geben.
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