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Beatboxen – das jüngste Element des Hip-Hop
Mando aus Berlin – ein Mundakrobat im Interview
Kicks, Snares, Hihats und Scratches sind die Grundtechniken, mit denen jeder große Beatbox-Star seine Karriere ins Rollen gebracht hat. Beim Beatboxen werden alle Rhythmen und
Beats, die üblicherweise aus Rhythmusmaschinen kommen, mit dem Mund produziert. Mit allen Geräuschen, die Zunge, Lippen, Hals- und Kiefermuskulatur hergeben, kann ein guter Beatboxer eine komplette
Soundmaschine ersetzen. Bis es allerdings so weit ist, braucht es eine gehörige Portion Taktgefühl, Musikalität und natürlich jahrelange Übung.
Doch wie zupft man einen Bass ohne Instrument oder scratcht ohne Vinyl-Platte? Learning by doing – wirklich ausgefeilte Techniken beherrschen bisher nur absolute Feinakrobaten
zwischen Hals und Nase und versierte Lippenartisten. Beatbox-Stars fallen nicht vom Himmel, sondern üben stundenlang bekannte Geräusche vor dem Radio und trainieren ihre Lippenspannung. Mittlerweile gibt
es auch Musik-schulen und Lehrer, die Beatboxkurse anbieten. Für die hohe Kunst der Melodie-, Bass- und Beatimitationen gibt es nur einen Weg: trainieren, improvisieren und nachahmen, gepaart mit
Durchhaltevermögen, etwas Talent und viel Liebe zum richtigen Ton.
Den Körper als Instrument benutzen – diese Kunst entstand in den 80er-Jahren, als junge Hip-Hopper auf den Straßen begannen, zu Funk und Beats zu rappen, ohne Ghettoblaster zur
Hand zu haben. Daraus hat sich eine Szene entwickelt, die sich in der jetzigen Hip-Hop-Kultur fest etabliert hat. Neben Scratchen, Graffiti, Breakdance und Rap wächst Beatbox zum „5. Element“ des
Hip-Hop. Das musikalische Spektrum reicht jedoch von Hip-Hop über House, Club, Reggae bis hin zu Jazz und Soul.
Mando aus Berlin ist seit mehr als sechs Jahren in der Beatbox-Szene unterwegs und hat gerade die deutsche Beatbox Meisterschaft 2006 gewonnen. Mit seiner Band „4xSample“ hat
sich Mando seinen Beatbox-Traum erfüllt und lebt dafür, zusammen mit seinen Jungs neue Stile zu entwickeln und dem Beatboxen aus den Kinderschuhen zu helfen. Das Trio, bestehend aus Daniel (Mando),
Philippe (Beatboxer Chlorophil) und Kyrill (Beatboxer Wetlipz), hat sich in Berlin bei der deutschen Beatbox Meisterschaft 2003 kennen gelernt und ist seit einer gemeinsamen Session dort zu dritt
unterwegs.
Interview mit Mando
Seit wann machst du Beatboxing?
Ich beatboxe seit 1999, seit 2003 professionell.
Wie bist du zum Beatboxing gekommen?
Als ich 1999 mit Rappen angefangen habe, kam ich auch schnell zum Beatboxen, um bei Freestyle Sessions meinen Rap-Kollegen einen einfachen Beat zu geben.
Auf einer Freestyle Cyfer lernte ich Chlorophil kennen, der mit seiner Stimme „Scratchen“ konnte wie kein anderer.
Mit ihm fuhr ich zur deutschen Meisterschaft 2003 in Berlin. Dort lernte ich Wetlipz kennen, einen talentierten Beatboxer aus Berlin, der mich auch sehr inspiriert hat. Zusammen
mit den beiden gründete ich die Gruppe „4xSample“, die 2005 das deutsche Team bei der Beatbox Weltmeisterschaft stellen durfte und gleich Vizeweltmeister geworden ist.
Man sagt, Beatboxing ist das 5. Element des Hip-Hop. Was bedeutet das?
Beatbox ist von den fünf Elementen des Hip-Hop definitiv das Element, das sich noch nicht wirklich entfalten konnte. DJ's, Rapper, Sprayer und Breakedancer können gut von ihrer
Arbeit leben. Beatboxer müssen immer hart dafür kämpfen, Aufträge zu bekommen. Ich glaube sogar, dass ein Großteil der Bevölkerung keine Ahnung hat, was Beatbox ist und wie viel Arbeit und Liebe zum
Detail dahinter stecken.
Welche Techniken wendest du an?
Es gibt viele Techniken wie zum Beispiel die „Sugarbox“, wo man Beat und Melodie gleichzeitig laufen lassen kann oder der von mir erfundene „Pfeif-Scratch“, bei dem ich
gleichzeitig einen Scratch mit einem Beat und einem Bass kombiniere. Drei Sachen auf einmal galten bis dato in der Beatbox-Szene als undenkbar.
Was macht Beatboxing für dich so besonders?
Beatboxing ist eine universelle Geschichte: Egal aus welchem Land man kommt, man versteht die Sprache des Rhythmus überall. Das macht Beatbox so spannend. Genauso wie die
Fähigkeit, allein mit dem Mund alle Geräusche, die es gibt, perfekt imitieren zu können. Für die Zuschauer ist es natürlich jedes Mal ein Rätsel, wie man so was hinbekommt.
Wer sind deine Vorbilder?
Rahzel Scratch und Scratch von „the roots“.
Was macht einen guten Beatboxer aus?
Rhythmusgefühl und Musikalität – die zwei Sachen sollte ein Beatboxer mindestens mitbringen. Genauso wie das Talent, sich zum Affen zu machen, weil es am Anfang nun mal schlecht
klingt und man in der Regel ausgelacht wird. Ja, ein dickes Fell sollte man schon haben und die Lust ständig neue Skills bzw. Sounds zu entdecken und zu perfektionieren. Ein Schuss Verrücktheit gepaart
mit jahrelanger Ausdauer und Liebe zum Detail – das macht einen guten Beatboxer aus.
Trainierst du regelmäßig?
Ja! Wobei ich es nicht als Üben sehe. Ich trainiere einzelne Sounds bis zur Perfektion und führe sie mit anderen zusammen.
An welchem Ort magst du am liebsten Beatboxen?
Unter der Dusche – nach wie vor.
Was ist dein Beatbox-Traum?
Meinen Traum habe ich mir schon erfüllt mit meiner Band „4xSample“. Außerdem möchte ich mit meiner Musik durch die ganze Welt reisen, neue Stile weiter entwickeln und damit
Erfolg haben.
Welche Beatbox-Sites im Web kannst du empfehlen?
www.4xSample.de
www.BeatboxBattle.com
Wo trittst Du mit Deiner Band auf und was sind eure Ziele für die Zukunft?
Am Sonntag, 6. August sind wir auf dem „Splash“ aufgetreten, einem der größten Musik-Festivals in Deutschland mit ca. 30.000 Besuchern. Dort gab es zum ersten Mal die deutsche
Team-Meisterschaft im Beatboxing und um es kurz zu machen – wir haben gewonnen und sind jetzt nach unserem Vizeweltmeistertitel 2005 Deutscher Meister im Team und auch gleichzeitig im Einzel (Januar 2006
hab ich gewonnen *smile). Ende des Jahres fliege ich nach Tokio zur WM 2006 im Einzel, wo sich 16 Beatboxmeister aus der ganzen Welt gegenüberstehen.
Weitere Ziele sind der WM-Sieg 2007 im Einzel und im Team und die Produktion eines Hörspiels für den SWR „5.1 Dolby Surround“ im September 2006. In 2007 steht noch ein Auftritt
bei der Staatsoper in Berlin an, den wir bei einem Wettbewerb gewonnen haben, bei dem es darum ging, eine Oper von Puccini ("La Bohème") mit eigener Musik nachzuspielen.
Videos und nähere Informationen zur Sprite Street Battle gibt es hier.

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